Am 29. August 2026 hat Wirtschaftsminister Dr. Wolfgang Blank gemeinsam mit Vertretern der Gemeinde Hornstorf, der Hansestadt Wismar und des Landkreises Nordwestmecklenburg das neue Großgewerbe- und Industriegebiet Wismar-Hornstorf vorgestellt. 160 Hektar, interkommunal entwickelt, Eröffnung im September 2026. Für eine Region, in der Unternehmen seit Jahren nach Flächen suchen, ist das keine Randnotiz.
Ich arbeite seit Jahren von Rostock aus mit mittelständischen Unternehmen an Websites, Prozessen und zunehmend an KI-Themen. Wenn nur eine halbe Autostunde entfernt 160 Hektar neue Gewerbe- und Industriefläche freigegeben werden, betrifft das nicht nur die Betriebe, die dort einziehen. Es bewegt einen ganzen Wirtschaftsraum. Deshalb hier die Fakten, meine Einordnung und der eine Punkt, der bei jeder Ansiedlung regelmäßig zu spät kommt.
Den Startschuss zur Vermarktung gab es übrigens bereits im Juli: Hornstorfs Bürgermeister Andreas Treumann und Heike Bansemer, zweite Stellvertreterin des Bürgermeisters von Wismar, unterzeichneten dafür eine Sondervereinbarung. Zwei Kommunen, ein Standort, gemeinsame Vermarktung – das ist in dieser Größenordnung nicht selbstverständlich.
Standort-Check
Denken Sie über eine Ansiedlung oder Erweiterung nach?
Bevor der erste Spatenstich fällt, lohnt der Blick auf die Abläufe hinter den Quadratmetern. In einem kurzen Gespräch ordnen wir ein, welche Prozesse Sie beim Standortwechsel gleich mitmodernisieren sollten – regional, ehrlich und aus unternehmerischer Sicht.
Die Zahlen hinter dem Projekt
Die Fläche liegt östlich von Wismar und wird durch die Osttangente geteilt, die Verlängerung der A14. Auf Wismarer Seite entstehen 48 Hektar gewerblich nutzbare Fläche, auf Hornstorfer Land kommen 45 Hektar gewerbliche und 15 Hektar industrielle Fläche dazu. Rund 80 Hektar sind für geförderte Ansiedlungen vorgesehen. In Summe also die 160 Hektar, mit einem klaren Unterschied zu vielen kleinen Gewerbegebieten: Hier ist zusammenhängend Platz auch für größere Vorhaben.
Entscheidend ist die Lage. Der Standort liegt direkt an der Abfahrt Wismar-Ost der A20, am nördlichen Endpunkt der A14. Wer Logistik, Produktion oder Handwerk mit überregionalem Einzugsgebiet betreibt, weiß, was zwei Autobahnanschlüsse in dieser Konstellation wert sind: Anbindung nach Westen und Osten über die A20, Anbindung Richtung Süden über die A14. Von Rostock aus sind es keine 30 Autominuten.
Der Grund für das Projekt ist unspektakulär und genau deshalb so aussagekräftig: Die bestehenden Gewerbestandorte im Landkreis Nordwestmecklenburg sind stark ausgelastet, adäquate Flächen fehlen schlicht. Unternehmen, die wachsen wollten, mussten bisher warten oder abwandern. Beides ist teuer – für den einzelnen Betrieb und für die Region, die dabei Wertschöpfung und Arbeitsplätze verliert.
- 160 ha gesamtes Großgewerbe- und Industriegebiet, interkommunal entwickelt
- 48 ha gewerblich nutzbare Fläche auf Wismarer Seite
- 45 ha gewerbliche und 15 ha industrielle Fläche auf Hornstorfer Land
- rund 80 ha für geförderte Ansiedlungen vorgesehen
- 2 Autobahnanschlüsse – A20 (Abfahrt Wismar-Ost) und A14 (nördlicher Endpunkt)
Was das für Unternehmen in der Region heißt
Neue Flächen bedeuten Bewegung, und zwar in mehrere Richtungen gleichzeitig. Ich sehe drei Gruppen, die davon betroffen sind – auch die, die gar nicht umziehen.
1. Betriebe, die wachsen wollten und nicht konnten
Wer bisher an seinem Standort festhing, weil rundherum kein Platz war, bekommt eine echte Option. Erweiterung, neue Halle, größere Produktion, ein zweiter Standort mit besserer Anbindung: All das war in Nordwestmecklenburg zuletzt eine Frage der Verfügbarkeit, nicht des Willens. Diese Blockade löst sich gerade.
2. Zulieferer und Dienstleister im Umkreis
Ein neues Gebiet dieser Größe bringt neue Nachbarn. Für Handwerk, technische Dienstleistung, Logistik und Wartung entstehen Aufträge in unmittelbarer Nähe – erst in der Bau- und Erschließungsphase, später im laufenden Betrieb der angesiedelten Unternehmen. Wer regional sichtbar ist, wird hier eher gefunden.
3. Wer selbst über eine Ansiedlung nachdenkt
Hier gilt eine unbequeme Wahrheit: Bei geförderten Flächen entscheidet erfahrungsgemäß die Reihenfolge der Anfragen mehr als das perfekte Konzept. Rund 80 Hektar sind für geförderte Ansiedlungen reserviert, aber „reserviert" heißt nicht „unbegrenzt". Wer ernsthaft mit dem Gedanken spielt, sollte jetzt in den Dialog gehen und nicht warten, bis die Planung bis ins letzte Detail steht.
Ein neuer Industriestandort dieser Größe verändert die Wettbewerbslage: neue Arbeitgeber im Einzugsgebiet, mehr Konkurrenz um Fachkräfte, gleichzeitig neue Auftraggeber vor der Haustür. Wer sichtbar ist, profitiert. Wer es nicht ist, merkt vor allem die Konkurrenz um Personal.
Interessant wird es nämlich auch für alle, die keinen Meter umziehen. Ein Standort dieser Größenordnung verschiebt den Arbeitsmarkt im Umkreis. Neue Arbeitgeber ziehen Fachkräfte an, der Wettbewerb um gute Leute wird härter – und zwar für Betriebe, die mit der Neuansiedlung selbst nichts zu tun haben. Wer als Arbeitgeber wie als Anbieter regional gut auffindbar ist, kann diese Bewegung für sich nutzen. Wer online kaum stattfindet, spürt vor allem den Sog. Genau darum geht es im Kern, wenn ich über Sichtbarkeit spreche: Mundpropaganda reicht nicht, wenn niemand Sie findet.
Der Punkt, den man beim Bauen gern vergisst
Bei einer Ansiedlung geht es zuerst um Quadratmeter, Erschließung und Genehmigungen. Das ist verständlich, das sind die Fragen, die man nicht ignorieren kann. Was dabei regelmäßig zu spät kommt, ist die digitale Seite: Wie laufen Auftragsannahme, Produktionsplanung und Rechnungsstellung am neuen Standort? Sind die Prozesse dieselben wie vorher, nur an einer anderen Adresse – oder nutzt man den Umzug, um sie einmal grundlegend zu überarbeiten?
Ein Standortwechsel ist der günstigste Moment, um veraltete Abläufe loszuwerden. In der Umzugsphase ist ohnehin alles in Bewegung, niemand hat sich am neuen Ort schon eingerichtet, alte Gewohnheiten sind noch nicht festgefahren. Danach sind die Prozesse wieder eingefahren, und niemand fasst sie freiwillig an. Wer 2027 in Wismar-Hornstorf einzieht, sollte den Umzug deshalb nicht nur baulich planen, sondern auch prozessual.
Das ist keine abstrakte Empfehlung. Ein Betrieb, der seine Aufträge weiter über Zettel, Zuruf und E-Mail-Anhänge organisiert, nimmt dieses Chaos einfach mit in die neue Halle – nur größer. Wer den Umzug dagegen zum Anlass nimmt, Wissen und Abläufe erst einmal sauber zu strukturieren, hat hinterher eine Basis, auf der Automatisierung und später auch KI überhaupt aufsetzen können. Wie aus verstreuten Informationen ein tragfähiges System wird, habe ich hier beschrieben: Vom Zettel zur Struktur: Wie aus Chaos ein System wird.
Zumal parallel ohnehin Pflichten anstehen, die jeden Betrieb betreffen – Stichwort E-Rechnung ab 2027. Wer seine Rechnungsprozesse beim Umzug sowieso anfasst, sollte diese Anforderung gleich mitdenken, statt sie später als separates Projekt hinterherzuschieben. Die Details dazu habe ich hier zusammengefasst: E-Rechnungspflicht 2027: Was die 800.000-Euro-Grenze für Ihr Unternehmen bedeutet.
Wie es weitergeht
Die Vermarktung läuft bereits. Ansprechpartner sind die Wirtschaftsförderung des Landkreises Nordwestmecklenburg sowie die beteiligten Kommunen Wismar und Hornstorf. Wer mit dem Gedanken spielt, sich dort anzusiedeln oder zu erweitern, sollte sich früh melden – nicht erst, wenn die eigene Planung vollständig steht. Ein erstes Gespräch mit der Wirtschaftsförderung kostet nichts und schafft Klarheit über Flächen, Konditionen und mögliche Förderung.
Und wer den Standortwechsel als Chance sehen will, die eigenen Abläufe gleich mit zu modernisieren: Genau dafür lohnt sich ein Gespräch, bevor der erste Spatenstich gesetzt ist. Es ist der Unterschied zwischen „wir sind umgezogen" und „wir haben den Umzug genutzt, um besser zu werden".
Mein Fazit
160 Hektar in dieser Lage sind für Nordwestmecklenburg mehr als ein weiteres Gewerbegebiet. Sie sind eine Antwort auf ein Problem, das die Region seit Jahren bremst: fehlende Flächen für Betriebe, die eigentlich wachsen wollen. Dass zwei Kommunen den Standort gemeinsam entwickeln und vermarkten, macht es zusätzlich glaubwürdig.
Für den einzelnen Unternehmer liegt der eigentliche Hebel aber nicht im Grundstück, sondern in der Frage, was er beim Umzug mitnimmt. Wer nur die Adresse wechselt, verschenkt die Gelegenheit. Wer die Abläufe dahinter modernisiert, kommt am neuen Standort nicht nur größer an, sondern besser aufgestellt. Ich begleite genau diese zweite Variante – und schaue dabei als Unternehmer auf Ihre Prozesse, nicht als Techniker auf Ihre Software.
Quellen: Pressemeldung des Wirtschaftsministeriums Mecklenburg-Vorpommern (regierung-mv.de), Bericht zur Vermarktung des Gewerbestandortes Wismar und Hornstorf (die-nachrichten.at), Standortprofil Großgewerbestandort Kritzowburg/Hornstorf (my-business-location.com).
Häufige Fragen zum Industriestandort Wismar-Hornstorf
Wo genau liegt der neue Industriestandort Wismar-Hornstorf?
Die Fläche liegt östlich von Wismar, interkommunal entwickelt von der Hansestadt Wismar und der Gemeinde Hornstorf. Sie wird durch die Osttangente geteilt, die Verlängerung der A14, und liegt direkt an der Abfahrt Wismar-Ost der A20 am nördlichen Endpunkt der A14. Von Rostock aus sind es keine 30 Autominuten.
Wie groß ist das Gebiet und wie teilt es sich auf?
Insgesamt 160 Hektar. Auf Wismarer Seite entstehen 48 Hektar gewerblich nutzbare Fläche, auf Hornstorfer Land kommen 45 Hektar gewerbliche und 15 Hektar industrielle Fläche dazu. Rund 80 Hektar sind für geförderte Ansiedlungen vorgesehen.
Warum wird das Gebiet überhaupt entwickelt?
Die bestehenden Gewerbestandorte im Landkreis Nordwestmecklenburg sind stark ausgelastet, adäquate Flächen fehlen. Unternehmen, die wachsen wollten, mussten bisher warten oder abwandern. Der neue Standort schafft erstmals wieder größere zusammenhängende Flächen in guter Lage.
An wen wende ich mich, wenn ich eine Ansiedlung prüfen will?
Ansprechpartner sind die Wirtschaftsförderung des Landkreises Nordwestmecklenburg sowie die beteiligten Kommunen Wismar und Hornstorf. Wer mit dem Gedanken spielt, sollte sich früh melden – bei geförderten Flächen entscheidet erfahrungsgemäß die Reihenfolge der Anfragen mehr als das perfekte Konzept.
Was sollte ich beim Standortwechsel neben dem Bau bedenken?
Die digitale Seite. Ein Umzug ist der günstigste Moment, um veraltete Abläufe wie Auftragsannahme, Produktionsplanung und Rechnungsstellung einmal grundlegend zu überarbeiten, statt sie nur an eine neue Adresse mitzunehmen. Danach sind Prozesse wieder eingefahren. Zumal parallel ohnehin Pflichten anstehen, etwa die E-Rechnung ab 2027.