Michael Selck, Gründer der Rostocker Digitalagentur pxMEDIA.de, arbeitet seit rund sechs Monaten mit einem selbst entwickelten KI-Betriebssystem: Vier Menschen führen dort rund 50 KI-Mitarbeiter, die Post vorbereiten, Websites entwerfen, Social Media betreuen und das Wissen des Unternehmens sammeln. Unter dem Namen pxmedia.ai OS setzt Selck das System derzeit mit rund zehn Unternehmen um, überwiegend aus Bau und Handwerk. Öffentlich zeigt er es wieder am 25. Februar 2027 im Chalet O in Rostock.
Das System bildet die Abläufe eines Betriebs in einer einzigen Software ab. Im Zentrum steht ein Firmengehirn mit dem Wissen des Unternehmens: Abläufe, Regeln, Preise und Erfahrungen. Darum arbeiten KI-Mitarbeiter mit fest umrissenen Aufgaben, angebunden an Postfach, Kalender und die Programme, die bisher ein Mensch bedient hat. Jede Entscheidung mit Wirkung nach außen gibt ein Mensch frei, und aus jeder Rückmeldung lernt der jeweilige KI-Mitarbeiter für das nächste Mal. Selck beschreibt den Ansatz als digitalen Nachbau des Unternehmens. Alle Arbeitsbereiche mit Ausschnitten aus einem Beispielbetrieb zeigt die Seite pxmedia.ai OS.
Vom Zettel zum System
In den Betrieben, mit denen Selck arbeitet, beginnt die Arbeit selten bei KI. Baustellenberichte werden auf Papier ausgefüllt, Planungen in Excel-Listen geführt, und Geschäftsführer tragen abends zusammen, was tagsüber angefallen ist. KI kommt dort meist als Chatfenster vor, mit dem einzelne Beschäftigte ein Angebot oder einen Termin vorbereiten. Das pxmedia.ai OS setzt früher an: Eine Mitarbeiter-App erfasst Dokumentation und Fotos auf der Baustelle, die Disposition schlägt Einsätze vor, und ein Modul für Ausschreibungen liest Leistungsverzeichnisse ein, trennt Eigen- von Fremdleistungen, fragt Lieferanten an und bereitet die Kalkulation vor. Aus Dokumentationsfotos der Baustelle entstehen nach Freigabe Beiträge für soziale Netzwerke.
Beratung zuerst, Umsetzung getrennt
Jedes Projekt beginnt mit einer Beratungs- und Konzeptionsphase, in der Ist-Zustand, Abläufe und Ziele erhoben werden. Diese Beratung erbringt die ONFYR Digital UG (haftungsbeschränkt). In der Regel sind es zwei Beratungen: eine digitale Wachstumsstrategie und eine Online-Marketing-Strategie, weil Marketing und Vertrieb später Teil des Systems werden. Beide werden über das Bundesprogramm „Förderung von Unternehmensberatungen für KMU“ bezuschusst, jeweils bemessen an höchstens 3.500 Euro netto. In Mecklenburg-Vorpommern trägt das BAFA 80 Prozent, bei zwei Beratungen also bis zu 5.600 Euro von 7.000 Euro, in den alten Bundesländern 50 Prozent. Das BAFA hat am 29. Oktober 2026 die Verlängerung des Programms bis Ende 2028 mitgeteilt. Die Umsetzung beauftragen die Unternehmen getrennt bei der pxMEDIA.de UG (haftungsbeschränkt): ein Grundsystem mit Arbeitsplatz, Postfach, Terminen, Firmengehirn sowie Rollen und Rechten, dazu Module je nach Bedarf, etwa Disposition, Ausschreibung, Kundenverwaltung, Marketing oder Personal. Einzelheiten zur Förderung stehen auf onfyr.de.
Was sich in der eigenen Agentur verändert hat
Selck gründete pxMEDIA.de 2009 in Rostock. In Spitzenzeiten arbeiteten dort 15 Menschen, aus wirtschaftlichen Gründen später zehn. Den Umsatz von damals erzielt die Agentur heute mit vier Menschen und rund 50 KI-Mitarbeitern. Heute entstehen in der Agentur Website-Entwürfe, Konzeptionen und Social-Media-Beiträge mit KI-Mitarbeitern; Selck prüft, gibt Rückmeldung und gibt frei, häufig bei mehreren Aufgaben gleichzeitig. Das Website-Angebot der Agentur kostet nach Unternehmensangaben weniger als die Hälfte des früheren Preises, dafür betreut ein System die Websites laufend weiter. Film- und Fotoproduktion bleibt Arbeit vor Ort mit Kamera, weil Unternehmen dort ihre Menschen zeigen.
Datenschutz
Das System kann auf einem eigenen Server in Deutschland betrieben werden; als Sprachmodell kommen ein europäischer Anbieter oder ein lokal betriebenes Modell in Frage.
Drei Abende in Rostock
Seine Arbeitsweise zeigt Selck in Rostock öffentlich. Am 3. Februar 2026 waren die Wirtschaftsjunioren beim Businesstalk „Wie KI eure Zeit zurückgewinnt“ bei pxMEDIA zu Gast. Am 24. September 2026 folgte im Chalet O der Abend „Betriebsgeheimnis KI“ mit drei Demos am laufenden System, gemeinsam mit der Eventagentur HaiEnd Event, die das Chalet O betreibt. Am 25. Februar 2027 geht es dort mit „Die nächste Stufe“ weiter, mit neuen Systemen und Beispielen aus der Praxis. Tickets gibt es über Eventim.
Eckdaten
- Person
- Michael Selck (Schreibweise mit „ck“), 41, Unternehmer, Digitalstratege und KI-Berater, Rostock; selbstständig seit 2009
- Funktion
- Geschäftsführer der pxMEDIA.de UG (haftungsbeschränkt) und der ONFYR Digital UG (haftungsbeschränkt)
- Unternehmen
- pxMEDIA.de, Digitalagentur, 2009 in Rostock gegründet; Marken pxmedia.ai, eyeris Filmproduktion und MyRocketPage
- Team
- Vier Menschen und rund 50 KI-Mitarbeiter; in Spitzenzeiten 15 Beschäftigte, aus wirtschaftlichen Gründen später zehn. Den Umsatz, den früher zehn Beschäftigte erzielten, erreicht die Agentur heute mit vier Menschen und KI-Mitarbeitern
- System
- pxmedia.ai OS, ein KI-Betriebssystem für Unternehmen; im eigenen Betrieb seit rund sechs Monaten im Einsatz
- Anwender
- Rund zehn Unternehmen in Beratung oder Umsetzung, überwiegend Bau und Handwerk (Montage, Garten- und Landschaftsbau, Dachdeckerei), dazu Spedition und Dienstleistung
- Einstieg
- Zwei geförderte Beratungen über die ONFYR Digital UG: eine digitale Wachstumsstrategie und eine Online-Marketing-Strategie, weil Marketing und Vertrieb Teil des Systems werden. Je Beratung sind höchstens 3.500 Euro netto förderfähig, in Mecklenburg-Vorpommern mit 80 Prozent Zuschuss; bei zweimal 3.500 Euro sind das bis zu 5.600 Euro von 7.000 Euro. Bis zu zwei Beratungen pro Jahr; BAFA-Programm „Förderung von Unternehmensberatungen für KMU“, verlängert bis 31. Dezember 2028
- Umsetzung
- Getrennt beauftragt bei der pxMEDIA.de UG (Marke pxmedia.ai): Grundsystem plus Module je Ablauf
- Betrieb
- Eigener Server in Deutschland möglich; europäisches oder lokal betriebenes Sprachmodell
- Ansehen
- pxmedia.ai/ai-workspace/ mit Ausschnitten aus einem Beispielbetrieb; Vorführung in Rostock nach Absprache
- Veranstaltungen
- 3. Februar 2026: WJ-Businesstalk „Wie KI eure Zeit zurückgewinnt“ bei pxMEDIA in Rostock · 24. September 2026: „Betriebsgeheimnis KI“ im Chalet O Rostock mit Live-Demos am laufenden System · 25. Februar 2027, 17 bis 22 Uhr: „Betriebsgeheimnis KI – Die nächste Stufe“ im Chalet O, Neptunallee 7f, 18057 Rostock; Tickets über Eventim
Fragen und Antworten für Redaktionen
Was ist das pxmedia.ai OS – in einfachen Worten?
Eine Unternehmenssoftware, die die Abläufe eines Betriebs abbildet und mit KI schneller macht. Wissen, Mails, Termine, Planung und Nachweise liegen an einer Stelle; KI-Mitarbeiter bereiten die Arbeit vor, Menschen entscheiden und geben frei. Selck spricht davon, die Firma digital nachzubauen. Überblick: pxmedia.ai OS, Begriff: KI-Betriebssystem.
Was ist ein KI-Mitarbeiter?
Eine KI mit einer festen Aufgabe, etwa Post vorsortieren, Angebote vorbereiten oder Beiträge für soziale Netzwerke entwerfen. Jeder KI-Mitarbeiter hat einen eigenen Wissensspeicher, wird wie ein neuer Kollege eingearbeitet und lernt aus jeder Rückmeldung. Was oft genug richtig war, übernimmt er mit der Zeit selbstständiger; Entscheidungen mit Wirkung nach außen gibt weiter ein Mensch frei. Mehr: KI-Stellen.
Was ist das Firmengehirn?
Der gemeinsame Wissensspeicher des Betriebs: Abläufe, Regeln, Preise, Kundenwissen und Erfahrungen aus der täglichen Arbeit. Menschen und KI-Mitarbeiter greifen darauf zu, und was im Alltag neu gelernt wird, fließt zurück. Das Wissen gehört dem Betrieb und nicht einzelnen Köpfen oder einem Werkzeug. Mehr: Firmengehirn.
Wer nutzt das System schon?
pxMEDIA.de arbeitet selbst seit rund sechs Monaten damit. Mit rund zehn Unternehmen ist Selck in Beratung oder Umsetzung, überwiegend aus Bau und Handwerk sowie aus Spedition und Dienstleistung; mehrere haben die Beratungsphase abgeschlossen, ihre Systeme sind im Aufbau. Die Rostocker Eventagentur HaiEnd Event, Betreiberin des Chalet O, arbeitet bereits im Tagesgeschäft mit KI-Mitarbeitern, in einer Mischung aus eigener Entwicklung und Ansätzen aus der Beratung durch Selck.
Was kostet das?
Der Einstieg sind in der Regel zwei geförderte Beratungen von je 3.500 Euro netto: eine digitale Wachstumsstrategie und eine Online-Marketing-Strategie. In Mecklenburg-Vorpommern übernimmt das BAFA je Beratung 80 Prozent, zusammen also bis zu 5.600 Euro von 7.000 Euro. Die Umsetzung wird getrennt beauftragt und ist modular aufgebaut: ein Grundsystem und je Ablauf ein Modul, etwa Disposition oder Ausschreibung. Der Preis richtet sich nach dem Umfang, der in der Konzeption festgelegt wird.
Wer berät, und wie wird gefördert?
Die Beratung erbringt die ONFYR Digital UG (haftungsbeschränkt) im Bundesprogramm „Förderung von Unternehmensberatungen für KMU“: 80 Prozent Zuschuss in den neuen Bundesländern (ohne Berlin und Region Leipzig), 50 Prozent in den alten Bundesländern und Berlin. Förderfähig sind höchstens 3.500 Euro netto je Beratung, ein Unternehmen kann bis zu zwei Beratungen pro Jahr fördern lassen. Der Antrag kommt vor dem Beratungsvertrag. Das BAFA hat am 29. Oktober 2026 die Verlängerung bis 31. Dezember 2028 mitgeteilt; Anträge ab 2027 laufen über ELSTER oder BundID. Mehr: onfyr.de/foerderung.
Ersetzt KI Arbeitsplätze?
Nach Selcks Erfahrung entstehen zuerst KI-Mitarbeiter für Aufgaben, die vorher liegen blieben, etwa das eigene Social Media. Wie ein Unternehmen frei werdende Zeit einsetzt, ist aus seiner Sicht eine unternehmerische Entscheidung. Beschäftigten rät er, sich selbst mit KI zu befassen, weil sich Arbeit gerade schneller verändert, als viele erwarten. Mehr: Frei werdende Zeit.
Wie steht es um den Datenschutz?
Das System kann auf einem eigenen Server in Deutschland laufen. Als Sprachmodell kommt ein europäischer Anbieter oder ein lokal betriebenes Modell in Frage; im zweiten Fall verlassen die Daten den Server nicht. Zugriffe regeln Rollen und Rechte je Person, der Server ist mehrfach abgesichert. Mehr: Datenschutz bei KI-Stellen.
Kann man das System sehen?
Ja. Die Seite pxmedia.ai OS zeigt jeden Arbeitsbereich mit Ausschnitten aus einem erdachten Tiefbaubetrieb, darunter eine Live-Ansicht in 3D. Vorführungen am Bildschirm sind in Rostock nach Absprache möglich, auch für Redaktionen.
Wie ist Michael Selck zur KI gekommen?
Über erste Textwerkzeuge ab 2021, ChatGPT seit dem Start Ende 2022 und eigene GPTs für die Agentur. In diesem Jahr kam das eigene System hinzu; Selck arbeitet heute überwiegend per Sprache, diktiert Aufgaben und prüft die Ergebnisse. Er ist zertifizierter KI-Manager. Mehr: Über Michael Selck.