Dienstag, 10:40 Uhr. Der Meister steht auf einem Dach in Bad Doberan, das Handy liegt im Transporter. Im Büro ist niemand, die Kollegin arbeitet nur vormittags bis zehn. Es klingelt sechsmal, dann springt die Mailbox an. Der Anrufer – ein Hausbesitzer mit einer undichten Dachrinne und dem Wunsch nach einem Angebot – legt auf, ohne etwas zu sagen, und wählt die nächste Nummer aus der Suche. Genau diese Lücke schließt ein KI-Telefonassistent für Unternehmen: Er nimmt den Anruf an, versteht das Anliegen, beantwortet die Standardfragen, schlägt einen Termin vor und legt für den Meister eine Rückrufnotiz an, die er abends in zwei Minuten abarbeiten kann.
In Gesprächen mit Unternehmern zwischen Rostock, Schwerin und Hamburg höre ich den Satz „Wir verpassen eigentlich keine Anrufe“ fast genauso oft wie den Satz „Das Telefon frisst uns auf“. Beides stimmt selten ganz. Dieser Beitrag beantwortet die drei Fragen, die dahinterstehen: Was kann ein KI-Telefonassistent wirklich? Was kostet er? Und lohnt er sich für meinen Betrieb? Dazu gehören die typischen Einsatzfälle, die Daten, die der Assistent braucht, die Regeln aus DSGVO und EU AI Act – und ein erster Schritt, der überschaubar bleibt.
Telefon-Check
Wie viele Anrufe gehen in Ihrem Betrieb heute ins Leere?
In einem kurzen Gespräch schauen wir auf Ihre Telefonannahme: welche Anliegen sich wiederholen, wann niemand abnehmen kann und ob ein klar begrenzter KI-Telefonassistent diese Lücke verlässlich schließt – inklusive der Frage, ob eine Förderung in Betracht kommt.
Warum verpasste Anrufe verlorene Aufträge sind
Das Telefon ist in vielen norddeutschen Betrieben immer noch der wichtigste Eingang für neue Aufträge. Im Handwerk, in Werkstätten, Praxen, Hausverwaltungen oder bei Dienstleistern mit Terminen ruft der Kunde an, wenn er ein Problem hat – und er will es jetzt loswerden. Gleichzeitig sind genau diese Betriebe so aufgestellt, dass tagsüber kaum jemand abnehmen kann: Die Fachleute sind beim Kunden, auf der Baustelle oder in der Werkstatt, das Büro ist knapp besetzt, und der Fachkräftemangel sorgt dafür, dass sich daran so schnell nichts ändert.
Was dann passiert, ist unspektakulär und teuer:
- Der Anrufer legt auf. Erfahrungsgemäß spricht nur ein Teil der Anrufer überhaupt auf eine Mailbox. Wer ein konkretes Anliegen hat, ruft lieber beim nächsten Betrieb an, der in der Suche auftaucht.
- Die Mailbox hilft wenig. „Hier ist Müller, bitte zurückrufen“ – ohne Anliegen, oft ohne gut verständliche Nummer. Wer zurückruft, erreicht abends niemanden mehr, und das Spiel beginnt von vorn.
- Der Rückruf kommt zu spät. Bis jemand Zeit hat, hat der Kunde den Auftrag oft schon vergeben. Gerade bei Notfällen, Störungen und Terminen zählen Stunden, nicht Tage.
- Das Team wird zerrissen. Wer nebenbei telefoniert, unterbricht ständig die eigentliche Arbeit – am Kunden, am Fahrzeug, am Patienten.
Das Tückische: Verpasste Anrufe tauchen in keiner Auswertung auf. Ein Auftrag, der nie zustande kam, fehlt in keiner Bilanz – er ist einfach nicht da. Deshalb unterschätzen fast alle Betriebe, wie viel Umsatz an einem nicht abgenommenen Telefon hängt.
Was ein KI-Telefonassistent kann – und was nicht
Ein KI-Telefonassistent ist eine Software, die eingehende Anrufe selbstständig annimmt und ein echtes Gespräch führt. Technisch arbeiten drei Bausteine im Wechsel: Die Spracherkennung wandelt das Gesagte in Text um, ein Sprachmodell versteht das Anliegen und formuliert die Antwort, und eine Sprachausgabe spricht sie mit natürlicher Stimme zurück. Anders als ein Sprachmenü („Drücken Sie die 1“) versteht er frei gesprochene Sätze, Rückfragen und auch norddeutsche Kurzfassungen. Eine ausführliche Begriffsklärung finden Sie im Wissensbereich unter KI-Telefonassistent.
Im Alltag übernimmt er vier Dinge:
- Anrufe rund um die Uhr annehmen. Auch wenn alle beim Kunden sind, in der Mittagspause, abends und am Wochenende – oder dann, wenn die Leitung belegt ist.
- Standardfragen beantworten. Öffnungszeiten, Einsatzgebiet, Leistungen, Ablauf, welche Unterlagen mitzubringen sind. Alles, was im Betrieb zehnmal am Tag gefragt wird.
- Termine in den Kalender eintragen. Der Assistent prüft freie Zeiten, schlägt zwei Optionen vor, bucht den passenden Termin und schickt auf Wunsch eine Bestätigung per SMS oder E-Mail.
- Strukturierte Rückrufnotizen anlegen. Für alles, was er nicht abschließend klären darf oder kann, nimmt er die wichtigen Angaben auf und übergibt sie an die zuständige Person – sortiert, vollständig, mit Dringlichkeit.
Genauso wichtig ist, was er nicht tun soll. Ein Sprachmodell kann sich irren und dabei überzeugt klingen. Deshalb sagt ein gut eingerichteter Assistent keine Preise verbindlich zu, ändert keine Verträge, gibt keine fachliche Diagnose ab und erfindet nichts, was nicht in seinem Firmenwissen steht. Weiß er etwas nicht, sagt er ehrlich: „Das klärt ein Kollege mit Ihnen – darf ich Ihre Nummer und Ihr Anliegen aufnehmen?“ Diese Grenze ist kein Mangel, sondern der Grund, warum Kunden und Team dem System vertrauen.
Der Assistent ersetzt nicht das Gespräch mit dem Meister. Er sorgt dafür, dass es überhaupt stattfindet.
Vier typische Einsatzfälle
Welche Aufgaben der Assistent übernimmt, hängt vom Betrieb ab. In fast allen Branchen tauchen aber dieselben vier Muster auf:
| Einsatzfall | Typischer Anruf | Was der Assistent übernimmt | Was beim Menschen bleibt |
|---|---|---|---|
| Terminannahme | „Ich bräuchte einen Termin für den Reifenwechsel.“ | Anliegen und Kennzeichen oder Kundennummer aufnehmen, freie Zeiten prüfen, Termin eintragen, Bestätigung schicken | Sonderfälle, Terminverschiebungen bei Engpässen |
| Auftragsannahme | „Können Sie mir ein Angebot für neue Fenster machen?“ | Art der Arbeit, Ort, Umfang, Zeitwunsch und Erreichbarkeit abfragen, Rückrufnotiz für den Vertrieb anlegen | Besichtigung, Kalkulation, Preis |
| Störungsmeldung | „Bei uns läuft Wasser aus der Heizung.“ | Objekt, Art und Ausmaß der Störung erfassen, nach festen Regeln Dringlichkeit einordnen, echte Notfälle sofort an den Bereitschaftsdienst durchstellen | Einsatzentscheidung, Fachdiagnose |
| Weiterleitung | „Ich möchte Frau Schulz aus der Buchhaltung sprechen.“ | Anliegen erkennen, zur zuständigen Person durchstellen oder bei Abwesenheit eine Notiz mit Rückrufwunsch hinterlegen | Das eigentliche Gespräch |
Ein guter Startpunkt ist fast immer der Einsatzfall, der heute am meisten Zeit oder Aufträge kostet. In Werkstätten und Praxen ist das meist die Terminannahme, im Handwerk die Auftragsannahme, in Hausverwaltungen und bei Haustechnik-Betrieben die Störungsmeldung. Wie sich Terminwünsche grundsätzlich ohne Hin und Her lösen lassen, habe ich in Terminabstimmung ohne Ping-Pong beschrieben.
So sieht eine strukturierte Rückrufnotiz aus
Der unterschätzte Teil eines KI-Telefonassistenten ist nicht die Stimme, sondern das, was nach dem Gespräch übrig bleibt. Statt einer Sprachnachricht, die jemand abhören, abtippen und deuten muss, liegt eine Notiz vor, mit der man sofort arbeiten kann – im E-Mail-Postfach, im Ticketsystem oder im CRM. Für den Anruf aus Bad Doberan sähe sie etwa so aus:
| Feld | Inhalt |
|---|---|
| Anrufer | Herr Petersen, Einfamilienhaus in Bad Doberan, Neukunde |
| Rückrufnummer | Mobilnummer, vom Anrufer bestätigt |
| Anliegen | Dachrinne an der Gartenseite undicht, wünscht Besichtigung und Angebot |
| Dringlichkeit | mittel – kein Wasser im Haus, Fassade wird nass |
| Zusatzinfos | Haus Baujahr ca. 1995, Fotos kann er per E-Mail schicken |
| Erreichbarkeit | werktags ab 16 Uhr |
| Zuständig | Dachdeckermeister, Bereich Reparatur |
| Bereits erledigt | Einsatzgebiet bestätigt, Ablauf von Besichtigung und Angebot erklärt |
Der Meister ruft abends um halb fünf zurück, kennt das Anliegen schon und vereinbart in drei Minuten den Besichtigungstermin. Das Beispiel ist eine Veranschaulichung, keine Zusage – es zeigt aber, wo der eigentliche Gewinn liegt: Aus einem aufgelegten Anruf wird ein vorbereiteter Rückruf.
Welche Daten der Assistent braucht
Ein KI-Telefonassistent ist nur so gut wie das Wissen und die Regeln, die er bekommt. Ohne gepflegte Grundlage füllt das Sprachmodell Lücken mit plausiblen, aber falschen Antworten. Die gute Nachricht: Das meiste davon existiert in Ihrem Betrieb bereits – nur oft nicht aufgeschrieben. Drei Bausteine sind Pflicht, zwei weitere machen den Unterschied:
- FAQ – das Firmenwissen. Die zwanzig, dreißig Fragen, die am Telefon immer wieder kommen, mit der richtigen Antwort: Öffnungs- und Sprechzeiten, Einsatzgebiet, Leistungen und was Sie bewusst nicht anbieten, typische Abläufe, Anfahrt, Zahlungsarten. Dazu Preisspannen nur dann, wenn sie ausdrücklich genannt werden dürfen. Diese Liste ist die Wissensbasis, aus der der Assistent antwortet – und nichts darüber hinaus.
- Kalenderzugriff. Soll der Assistent Termine vergeben, braucht er Zugriff auf den Kalender, in dem tatsächlich geplant wird – Outlook, Google, ein Praxis- oder Werkstattsystem. Dazu gehören Regeln: Welche Terminarten gibt es, wie lange dauern sie, welche Puffer gelten, welche Zeiten sind tabu?
- Zuständigkeiten. Wer ist für welches Anliegen zuständig, wer vertritt, wohin geht ein Notfall außerhalb der Bürozeiten? Diese Liste steckt in vielen Betrieben nur im Kopf einer Person. Für den Assistenten muss sie aufgeschrieben sein – einschließlich der Durchwahlen, an die er durchstellen darf.
- Gesprächsregeln. Begrüßung, Tonfall, Du oder Sie, was er niemals sagen oder zusagen darf, wann er ein Gespräch sofort an einen Menschen übergibt.
- Übergabeziel. Wo landen Rückrufnotizen und Termine? Im Sammelpostfach, im Ticketsystem, im CRM? Eine Notiz, die in einem weiteren Postfach liegt, das niemand liest, ist kein Fortschritt.
Wer diese Bausteine sammelt, gewinnt nebenbei etwas, das weit über das Telefon hinausreicht: Wissen, das bisher in Köpfen steckte, liegt plötzlich geordnet vor. Warum genau das die Voraussetzung für jede KI im Betrieb ist, beschreibe ich in Was heute nur auf Papier steht, kann morgen keine KI nutzen.
DSGVO und EU AI Act: Was gilt
Am Telefon werden personenbezogene Daten verarbeitet – Namen, Nummern, Adressen, manchmal mehr. Das spricht nicht gegen einen KI-Telefonassistenten, verlangt aber eine saubere Einrichtung. Zwei Regelwerke sind entscheidend.
Datenschutz nach DSGVO
- Vertrag zur Auftragsverarbeitung. Mit dem Anbieter und gegebenenfalls mit dem Telefonie-Dienstleister. Ohne diesen Vertrag sollte kein echter Anruf über das System laufen.
- Verarbeitungsort. Möglichst in der EU, sonst nur mit gleichwertigen Garantien. Gespräche dürfen nicht zum Training fremder Modelle verwendet werden – das muss vertraglich ausgeschlossen sein.
- Aufnahme oder Zusammenfassung. Ob Gespräche als Audio gespeichert werden, ist eine eigene Entscheidung mit eigener rechtlicher Prüfung. Viele Betriebe kommen mit Abschrift und Zusammenfassung aus und verzichten bewusst auf die Aufzeichnung.
- Löschfristen und Transparenz. Klare Regeln, wie lange Notizen und Abschriften aufbewahrt werden, und ein Absatz in der Datenschutzerklärung, der die Verarbeitung erklärt.
- Sensible Daten. Wer Gesundheitsdaten verarbeitet – Praxen, Pflegedienste, Therapeuten –, braucht deutlich strengere Vorkehrungen und sollte den Datenschutzbeauftragten von Anfang an einbinden.
Kennzeichnungspflicht nach EU AI Act
Seit dem 2. August 2026 gilt Artikel 50 des EU AI Act. Er verlangt, dass Menschen erkennen können, wenn sie mit einer KI sprechen. Für einen Telefonassistenten heißt das: Der Hinweis gehört an den Anfang des Gesprächs, kurz und eindeutig. Zum Beispiel so:
„Guten Tag, Sie sind bei Dachdeckerei Muster. Ich bin der digitale Assistent des Betriebs, eine KI. Ich kann Termine vereinbaren und Ihr Anliegen für einen Rückruf aufnehmen. Wenn Sie lieber direkt eine Nachricht für einen Kollegen hinterlassen möchten, sagen Sie es einfach.“
Das ist keine Hürde, sondern ehrlich – und in der Praxis reagieren die meisten Anrufer gelassen, solange der Assistent ihr Anliegen zügig aufnimmt. Was der Artikel genau verlangt und was er für Chatbots, KI-Texte und Bilder bedeutet, steht in EU AI Act: Kennzeichnungspflicht für KI-Interaktionen. Dieser Abschnitt ist eine praktische Einordnung, keine Rechtsberatung.
Was kostet ein KI-Telefonassistent?
Die Kosten bestehen aus zwei Teilen, die man getrennt betrachten sollte.
- Einrichtung. Gesprächsleitfaden und Regeln festlegen, FAQ aufbereiten, Kalender und Übergabeziel anbinden, Rufnummer oder Weiterleitung einrichten, testen. Der Aufwand hängt fast vollständig davon ab, wie viel Wissen schon sauber vorliegt und wie viele Systeme angebunden werden.
- Laufender Betrieb. Meist eine monatliche Grundgebühr für die Plattform plus Kosten je Gesprächsminute. Dazu kommt die Pflege: Wenn sich Öffnungszeiten, Leistungen oder Zuständigkeiten ändern, muss das Wissen nachgezogen werden.
Zur groben Orientierung: Schlanke Lösungen bewegen sich im laufenden Betrieb im Bereich von zwei- bis niedrigen dreistelligen Eurobeträgen im Monat plus Minutenpreisen im Cent-Bereich. Die Einrichtung reicht je nach Anbindung von einigen hundert bis zu einigen tausend Euro. Das sind Spannen aus dem Markt, keine Preiszusage – verbindlich ist nur ein Angebot auf Basis Ihrer tatsächlichen Anrufe. Vorsicht bei Lösungen, die mit „in zehn Minuten eingerichtet“ werben: Eingerichtet ist dann die Stimme, nicht das Wissen.
Lohnt sich das? Eine einfache Rechnung
Ob sich ein KI-Telefonassistent rechnet, entscheidet sich nicht an den Minutenpreisen, sondern an den Aufträgen, die heute verloren gehen. Mit vier Zahlen lässt sich das grob abschätzen:
Verpasste Anrufe pro Woche × Anteil echter Auftragsanfragen × Abschlussquote × Deckungsbeitrag je Auftrag = zurückgewonnener Deckungsbeitrag
| Position | Annahme | Ergebnis |
|---|---|---|
| Verpasste Anrufe | pro Woche, Strichliste über zwei Wochen gemittelt | 15 |
| Davon Auftragsanfragen | 40 Prozent, der Rest sind Rückfragen, Lieferanten, Werbung | 6 |
| Davon Aufträge | 25 Prozent Abschlussquote bei vorbereitetem Rückruf | 1,5 |
| Deckungsbeitrag je Auftrag | kleine bis mittlere Aufträge, im Schnitt | 400 Euro |
| Pro Woche | 1,5 × 400 Euro | 600 Euro |
| Pro Jahr | 46 Arbeitswochen | 27.600 Euro |
Alle Werte sind Annahmen zur Veranschaulichung. Setzen Sie Ihre eigenen Zahlen ein und rechnen Sie vorsichtig: Selbst mit der Hälfte bleibt in diesem Beispiel ein zurückgewonnener Deckungsbeitrag von rund 13.800 Euro im Jahr.
Nicht enthalten sind zwei Effekte, die im Alltag oft genauso viel wiegen: die Zeit, die das Team heute mit Abhören, Zurückrufen und „Wer hat da eigentlich angerufen?“ verbringt, und die Ruhe, die entsteht, wenn nicht jeder Anruf eine Unterbrechung ist. Umgekehrt gilt: Wer heute kaum Anrufe verpasst und eine besetzte Zentrale hat, braucht vermutlich keinen Telefonassistenten. Wie Sie solche Rechnungen vor jeder KI-Investition sauber aufstellen, zeige ich in KI-Investition: Erst rechnen, dann automatisieren.
Der realistische erste Schritt: ein Pilot mit einer einzigen Rufnummer
Der häufigste Fehler ist, gleich die ganze Telefonie umzustellen. Bewährt hat sich das Gegenteil: eine Nummer, wenige Aufgaben, klare Messgrößen.
- Zwei Wochen zählen. Bevor irgendetwas eingerichtet wird, eine einfache Strichliste oder die Auswertung der Telefonanlage: Wie viele Anrufe kommen, wann, mit welchem Anliegen – und wie viele bleiben unbeantwortet? Diese Zahlen sind die Grundlage für alles Weitere.
- Eine Rufnummer wählen. Zum Beispiel die Servicenummer, die Nummer für Terminvereinbarungen oder die Hauptnummer nur dann, wenn niemand abnimmt, besetzt ist oder außerhalb der Bürozeiten. Alle anderen Nummern bleiben, wie sie sind.
- Drei Aufgaben festlegen. Etwa: Standardfragen beantworten, Termine einer Terminart vergeben, Rückrufnotizen anlegen. Alles andere wird freundlich als Notiz übergeben.
- Sechs bis acht Wochen laufen lassen. In den ersten Tagen jede Notiz gegenlesen, Lücken im FAQ schließen, Regeln nachschärfen. Nach zwei, drei Wochen läuft das meist ruhig.
- Mit Zahlen entscheiden. Drei Messgrößen genügen: verpasste Anrufe pro Woche, Zeit bis zum Rückruf und Anteil der Anliegen, die der Assistent abschließend erledigt hat. Danach wird entschieden – ausbauen, anpassen oder lassen.
Ein solcher Pilot ist überschaubar im Aufwand, schnell wieder abschaltbar und liefert nach wenigen Wochen eine ehrliche Antwort auf die Frage, ob sich der Assistent für Ihren Betrieb lohnt.
Telefon und Postfach gehören zusammen
Ein KI-Telefonassistent entfaltet seine volle Wirkung erst, wenn klar ist, wohin seine Notizen gehen. In vielen Betrieben landen sie im Sammelpostfach – und dort beginnt das nächste Sortierproblem. Deshalb lohnt es sich, Telefon und E-Mail als einen Eingang zu denken: Die Rückrufnotiz wird genauso eingeordnet und an die zuständige Person geleitet wie eine E-Mail-Anfrage. Wie das für das Postfach funktioniert, habe ich in E-Mail-Postfach mit KI automatisieren beschrieben. Wer beides verbindet, hat am Ende einen einzigen, sortierten Eingangskorb für alle Kundenanliegen.
Förderung: Was in Mecklenburg-Vorpommern möglich ist
Ein KI-Telefonassistent ist ein typisches Umsetzungsvorhaben, wie es Förderprogramme für die Einführung von KI im Blick haben. In Mecklenburg-Vorpommern unterstützt die KI-Förderung Unternehmen mit bis zu 100 Beschäftigten und Betriebsstätte im Land mit bis zu 50 Prozent der förderfähigen Ausgaben, höchstens 50.000 Euro. Die Mindestinvestition liegt bei 15.000 Euro (bis 50 Beschäftigte) bzw. 20.000 Euro (mehr als 50 Beschäftigte); als Förderende wird nach bisherigem Stand der 31. Dezember 2027 genannt. Ein einzelner Telefonassistent erreicht diese Schwelle nicht immer allein – kombiniert mit Postfach-Automatisierung, Kalender- und CRM-Anbindung oder einem internen Wissenssystem aber häufig. Alle Bedingungen finden Sie in KI-Förderung MV 2026: Bis zu 50.000 Euro Zuschuss für die Umsetzung.
Für die Vorarbeit – Analyse der Anrufe, Konzeption, Auswahl der Lösung – kommt die BAFA-Beratungsförderung in Betracht. Die sinnvolle Reihenfolge ist fast immer: erst geförderte Beratung und Konzeption, dann die geförderte Umsetzung. Wichtig in beiden Fällen: kein Auftrag vor dem Förderantrag. Förderbedingungen ändern sich und müssen vor jeder Antragstellung geprüft werden.
Fazit: Erst zählen, dann abnehmen lassen
Ein KI-Telefonassistent ist kein Ersatz für gute Leute am Telefon. Er ist die Lösung für die Momente, in denen keiner von ihnen abnehmen kann – und das sind in vielen norddeutschen Betrieben mehr, als man denkt. Er nimmt an, beantwortet, was sich wiederholt, trägt Termine ein und sorgt dafür, dass aus einem aufgelegten Anruf ein vorbereiteter Rückruf wird. Wer mit zwei Wochen Strichliste, einer sauberen FAQ, einem Kalenderzugang und einer klaren Zuständigkeitsliste beginnt, hat die halbe Arbeit erledigt.
Ich schreibe darüber nicht aus der Theorie. In meinen Unternehmen arbeiten digitale Mitarbeiter, technisch umgesetzt als KI-Agenten mit fester Rolle, klaren Rechten und Übergaben an Menschen. Ein Telefonassistent folgt derselben Regel, die ich auch Ihnen empfehle: Die KI nimmt auf und bereitet vor, der Mensch entscheidet.
Häufige Fragen zum KI-Telefonassistenten
Was kann ein KI-Telefonassistent im Unternehmen konkret übernehmen?
Ein KI-Telefonassistent nimmt eingehende Anrufe rund um die Uhr an, versteht frei gesprochene Anliegen, beantwortet Standardfragen etwa zu Öffnungszeiten, Leistungen oder Einsatzgebiet, trägt Termine direkt in den Kalender ein und legt für alles andere eine strukturierte Rückrufnotiz an. Typische Einsatzfälle sind Terminannahme, Auftragsannahme, Störungsmeldungen und die Weiterleitung an die zuständige Person.
Was kostet ein KI-Telefonassistent?
Die Kosten setzen sich aus Einrichtung und laufendem Betrieb zusammen. Zur Einrichtung gehören Gesprächsleitfaden, Wissensbasis, Kalender- und Systemanbindung sowie Tests. Laufend fallen meist eine monatliche Grundgebühr und Gesprächsminuten an. Als grobe Orientierung liegen schlanke Lösungen im Bereich von zwei- bis niedrigen dreistelligen Eurobeträgen im Monat plus Minutenpreisen im Cent-Bereich; die Einrichtung reicht je nach Anbindung von einigen hundert bis zu einigen tausend Euro. Verbindlich ist nur ein konkretes Angebot.
Muss ich Anrufern sagen, dass sie mit einer KI sprechen?
Ja. Nach Artikel 50 des EU AI Act muss für Anrufer klar erkennbar sein, dass sie mit einer KI sprechen; diese Transparenzpflicht gilt seit dem 2. August 2026. In der Praxis genügt ein kurzer, eindeutiger Hinweis zu Beginn des Gesprächs, verbunden mit dem Angebot, eine Nachricht für einen Menschen zu hinterlassen oder weiterverbunden zu werden.
Ist ein KI-Telefonassistent mit der DSGVO vereinbar?
Ja, wenn Anbieter und Aufbau sauber gewählt sind: Vertrag zur Auftragsverarbeitung, Verarbeitung in der EU oder mit gleichwertigen Garantien, keine Nutzung der Gespräche zum Training fremder Modelle, klare Löschfristen für Abschriften und Notizen sowie ein Hinweis in der Datenschutzerklärung. Sollen Gespräche als Audio aufgezeichnet werden, braucht es dafür eine eigene rechtliche Prüfung; viele Lösungen arbeiten deshalb nur mit Zusammenfassungen. Bei besonders geschützten Daten wie Gesundheitsangaben sind die Anforderungen höher.
Wie starte ich mit einem KI-Telefonassistenten?
Mit einem Pilot auf einer einzigen Rufnummer. Zuerst zwei Wochen lang erfassen, welche Anrufe eingehen und wie viele unbeantwortet bleiben. Dann eine Nummer wählen, etwa die Servicenummer oder die Annahme außerhalb der Bürozeiten, drei klar begrenzte Aufgaben festlegen und den Assistenten sechs bis acht Wochen laufen lassen. Anhand von verpassten Anrufen, Rückrufzeit und Anteil abschließend erledigter Anliegen wird danach über den Ausbau entschieden.
Wird ein KI-Telefonassistent gefördert?
Das kann sein. In Mecklenburg-Vorpommern fördert die KI-Förderung die Umsetzung von KI-Vorhaben in Unternehmen mit bis zu 100 Beschäftigten mit bis zu 50 Prozent der förderfähigen Ausgaben, höchstens 50.000 Euro, bei einer Mindestinvestition von 15.000 bzw. 20.000 Euro. Ein einzelner Telefonassistent erreicht diese Schwelle nicht immer allein, in Kombination mit weiteren Prozessen aber häufig. Für Beratung und Konzeption kommt die BAFA-Beratungsförderung in Betracht. Der Antrag muss vor Projektbeginn gestellt werden.