Rückblick · 7. Oktober 2026
Fotos und Video: Michael Selck
Frühstück im Brauhaus, ein Vortrag zum 30. Geburtstag einer Reederei, die in Rostock zu Hause ist, und ein Rundgang vom Theatrium bis aufs Pooldeck — das Hafenfrühstück des BVMW an Bord der AIDAmar war ein Blick hinter die Kulissen eines Unternehmens, das unsere Region mehr prägt, als man vom Strand aus sieht.
Am 7. Oktober 2026 hat der Mittelstand. BVMW Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam mit AIDA Cruises zum Hafenfrühstück nach Warnemünde eingeladen. Die AIDAmar lag am Passagierkai, wir saßen an langen Tischen im Brauhaus an Bord — und bekamen zum Jubiläum einen Vortrag aus dem Inneren des Unternehmens.
30 Jahre — und eine Branche, die sich neu erfunden hat
Die Geschichte begann 1996 mit einer einfachen Idee: das Konzept des Cluburlaubs vom Land aufs Meer zu bringen. Ungezwungene Kleidung, Buffet statt Kapitänsdinner, große Shows — Kreuzfahrt wurde damit für viel mehr Menschen zugänglich. Laut Vortrag kamen in 30 Jahren mehr als 17 Millionen Gäste an Bord, zusammen rund 145 Millionen Übernachtungen. Und: Heimathafen und Unternehmenssitz ist Rostock. Hier werden alle Konzepte und Werftzeiten geplant.
Was ein Schiffsanlauf der Region bringt
1 Euro Umsatz an Bord bringt der Region rund 1,60 Euro Bruttowertschöpfung.
An einem Wechseltag sind nach diesen Zahlen rund 60 verschiedene Gewerke beteiligt — vom Proviant über Technik bis zur Entsorgung. Dazu kommt die Crew selbst, die in gut erreichbaren Häfen wie Warnemünde einkauft. Für mich ein gutes Beispiel dafür, wie viel Mittelstand an einem einzigen Großunternehmen hängt — ähnlich wie bei den großen Ansiedlungen, die gerade rund um Rostock geplant werden.
Modernisieren, weil sich die Gäste verändern
Spannend war der Blick nach vorn: Unter dem Namen „AIDA Evolution“ geht jedes Schiff für fünf bis sechs Wochen in die Werft und wird grundlegend umgebaut. Der Grund ist nicht die Technik, sondern das Verhalten der Gäste — rund 30 Prozent bevorzugen inzwischen Service- und À-la-carte-Restaurants statt Buffet. Also entstehen neue Restaurantkonzepte, Räume werden umgewidmet, das Design wird heller. Bemerkenswert: Die Crew packt beim Umbau selbst mit an — das schweißt zusammen.
Genau diese Frage stellen sich gerade viele Mittelständler mit Blick auf KI: Was erwarten meine Kunden in ein paar Jahren — und welcher Umbau steht dafür heute an? Wer das in der richtigen Reihenfolge angeht, statt alles gleichzeitig zu wollen, kommt weiter. Dazu passt mein KI-Fahrplan.
Landstrom, LNG — und eine Infrastruktur, die hinterherhinkt
AIDA hat früh auf Flüssigerdgas gesetzt und Schiffe schon ab 2005 für Landstrom vorbereitet. Das Problem liegt an Land: Von rund 600 angelaufenen Häfen bieten laut Vortrag erst 18 überhaupt Landstrom an — ab 2030 wird er in Europa Pflicht. Biokraftstoffe und E-Fuels scheitern derzeit an der Verfügbarkeit in industriellen Mengen, und die Werften sind für Neubauten bis weit in die 2030er-Jahre ausgebucht. Ein Muster, das ich aus der Digitalisierung kenne: Die Technik ist da, die Infrastruktur drumherum noch nicht.
Rundgang und Gespräche
Danach ging es in zwei Gruppen durchs Schiff: Theatrium, Kunstgalerie, Shops, Restaurants und die Lounge ganz oben mit Blick über Warnemünde und die Warnowmündung. Unterwegs erfuhren wir auch von „AIDA Cruise & Help“ — seit 2017 sind darüber mehr als 100 Schulen in den Herkunftsländern der Crew finanziert worden, getragen von Aktionen der Besatzung und der Gäste. Zwischen den Stationen blieb Zeit für Gespräche unter Unternehmerinnen und Unternehmern aus der Region — genau das, wofür solche Formate da sind.
Was ich mitnehme
Ein Unternehmen mit Sitz in Rostock, das sein Produkt alle paar Jahre neu erfindet, weil sich die Kunden verändern — und das offen über die Grenzen spricht, die es allein nicht lösen kann. Danke an den BVMW Mecklenburg-Vorpommern und an AIDA für die Einladung an Bord.
Eindrücke von Bord
Vom Kai übers Brauhaus bis aufs Oberdeck — und ein kurzer Film vom Vormittag. Fotos und Video: Michael Selck.







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