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Large Language Model (LLM)

Begriffskarte: Large Language Model (LLM) – Wissen von Michael Selck

Ein Large Language Model (LLM) ist ein KI-Modell, das mit sehr großen Textmengen trainiert wurde und dadurch Sprache verstehen, zusammenfassen und selbst erzeugen kann. LLMs sind die technische Grundlage für Anwendungen wie Unternehmens-Chatbots, KI-Assistenten und KI-Agenten, die Unternehmen etwa bei Angeboten, Anfragen und Wissensfragen entlasten.

Was bedeutet Large Language Model (LLM)?

Der Begriff besteht aus zwei Teilen. Language Model heißt Sprachmodell: ein Rechenmodell, das gelernt hat, wie Sprache aufgebaut ist. Large steht für die Größe – trainiert wird mit riesigen Textmengen aus Büchern, Websites, Fachartikeln und Programmcode, und das Modell selbst besteht aus Milliarden einstellbarer Werte, den sogenannten Parametern. Im Kern macht ein LLM etwas erstaunlich Einfaches: Es berechnet Baustein für Baustein, welche Fortsetzung eines Textes am wahrscheinlichsten ist. Aus dieser einen Fähigkeit entstehen bei ausreichender Größe viele weitere – Fragen beantworten, Texte zusammenfassen, übersetzen, Entwürfe schreiben, Angaben aus E-Mails herauslesen. Bekannte LLMs sind die GPT-Modelle von OpenAI, Claude von Anthropic, Gemini von Google, Llama von Meta und die Modelle des französischen Anbieters Mistral.

Aus dieser Arbeitsweise folgen zwei Grenzen, die jeder Unternehmer kennen sollte. Erstens ist das Wissen eines LLM auf den Stand seiner Trainingsdaten eingefroren; Ihre Preisliste, Ihre Kundenhistorie oder Ihr Wartungshandbuch kennt es nicht. Zweitens erzeugt es wahrscheinliche Antworten, keine geprüften Fakten. Fehlt eine Information, füllt das Modell die Lücke oft mit einer plausibel klingenden Erfindung, einer sogenannten Halluzination. Ein LLM ist deshalb ein starker Formulierer und Sortierer, aber kein Nachschlagewerk.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Modell und Anwendung. ChatGPT ist ein Produkt, das auf GPT-Modellen läuft – das LLM ist der Motor, nicht das ganze Auto. Damit ein Modell mit Firmenwissen arbeitet, wird es meist über Retrieval Augmented Generation (RAG) angebunden: Das System sucht vor jeder Antwort die passenden Unterlagen heraus und legt sie dem Modell vor. Ein KI-Agent geht einen Schritt weiter: Er nutzt ein LLM als Denkmotor, darf aber zusätzlich Werkzeuge wie Kalender, CRM oder Postfach bedienen und Aufgaben in mehreren Schritten erledigen. Auch ein KI-Telefonassistent oder ein digitaler Mitarbeiter hat im Kern ein Sprachmodell, ergänzt um Spracherkennung, Regeln, Rechte und Anbindungen an die Systeme des Betriebs.

Für den Mittelstand heißt das: Niemand muss ein eigenes LLM entwickeln. Unternehmen nutzen vorhandene Modelle – über Business-Lizenzen, über Programmierschnittstellen (API) oder als offene Modelle auf eigenen beziehungsweise europäischen Servern. Welches Modell es wird, ist selten die entscheidende Frage. Entscheidend ist, für welchen Ablauf es arbeitet, welche Daten es bekommt und wer das Ergebnis prüft. Das klärt eine KI-Potenzialanalyse; dass die nötigen Informationen überhaupt nutzbar vorliegen, ist Aufgabe von Wissensmanagement und einer klaren Datenstrategie.

Large Language Model (LLM) kurz erklärt: die wichtigsten Punkte

  • Ein LLM erzeugt Sprache, indem es die wahrscheinlichste Fortsetzung eines Textes berechnet – es erfasst Zusammenhänge statistisch, nicht wie ein Mensch.
  • Sein Wissen endet mit dem Trainingsstand; aktuelle Zahlen und Firmendaten muss man ihm mitgeben.
  • Es kann überzeugend klingen und trotzdem falsch liegen; wichtige Aussagen brauchen eine Quelle oder eine Prüfung durch einen Menschen.
  • Seine Stärken liegen in der Textarbeit: zusammenfassen, sortieren, formulieren, übersetzen und Angaben aus unstrukturierten Texten herausziehen.
  • Im Betrieb zählen Anbindung, Datenschutz und Prozess mehr als die Frage, welches Modell gerade in Vergleichstests vorn liegt.

Large Language Model (LLM) in der Praxis

  • Posteingang und Anfragen: Das LLM liest eingehende E-Mails, erkennt, ob es um ein Angebot, eine Reklamation oder eine Terminfrage geht, zieht Name, Objekt und Wunschtermin heraus und legt einen Antwortentwurf an. Die Mitarbeiterin im Büro prüft, ergänzt und schickt ab – statt jede Mail von Grund auf zu bearbeiten.
  • Angebote und Leistungsbeschreibungen: Aus den Stichpunkten vom Vor-Ort-Termin und dem eigenen Leistungsverzeichnis formuliert das Modell einen verständlichen Angebotstext. Mengen, Preise und Fachangaben bleiben in der Hand des Meisters oder Vertriebs; das LLM übernimmt die Formulierungsarbeit.
  • Wissensfragen im Betrieb: Über RAG an Handbücher, Arbeitsanweisungen und frühere Projekte angebunden, beantwortet ein Assistent Fragen wie „Welche Prüfschritte gelten für diese Anlage?“ mit Quellenangabe. Neue Kolleginnen und Kollegen finden Antworten, ohne erfahrene Mitarbeiter ständig zu unterbrechen.

Woran Sie einen sinnvollen LLM-Einsatz im Unternehmen erkennen

  1. Es gibt einen klar umrissenen, wiederkehrenden Ablauf, für den das Modell arbeitet – und eine Vorstellung davon, wie viel Zeit dieser Ablauf heute kostet.
  2. Das Modell bekommt Firmenwissen aus gepflegten Quellen vorgelegt, statt aus dem Gedächtnis zu antworten.
  3. Die Datenverarbeitung ist geregelt: Business-Version oder Schnittstelle mit Auftragsverarbeitungsvertrag, Verarbeitung in der EU oder auf eigenen Servern, keine Kundendaten in privaten Gratis-Konten.
  4. Bevor etwas das Haus verlässt, prüft ein Mensch und gibt frei; die Verantwortung für das Ergebnis ist eindeutig geregelt.
  5. Die Mitarbeitenden wissen, was ein LLM kann und was nicht – so, wie es die KI-Kompetenzpflicht des EU AI Act seit Februar 2025 verlangt.

Typische Fehler

  • Das LLM als Faktendatenbank behandeln: Wer Gesetzesstände, Preise oder technische Werte ungeprüft übernimmt, holt sich Halluzinationen direkt in Angebote und Kundenkommunikation.
  • Mit der Modellwahl beginnen: Monatelang Modelle zu vergleichen bringt wenig, solange nicht feststeht, welcher Ablauf entlastet werden soll. Modelle wechseln, der Prozess bleibt.
  • Vertrauliches in private Konten kopieren: Kundendaten, Verträge oder Personalunterlagen gehören nicht in eine privat genutzte Gratis-Version, deren Datenverarbeitung im Betrieb niemand geprüft hat.
  • Einzelne Begeisterte allein lassen: Nutzt nur ein Mitarbeiter das Werkzeug auf eigene Faust, entsteht eine Insellösung ohne Regeln, ohne Qualitätssicherung und ohne Wirkung auf den Betrieb.

Mein Bezug

Ich arbeite in meinen eigenen Unternehmen jeden Tag mit Sprachmodellen. Die rund 40 digitalen Mitarbeiter bei pxMEDIA und ONFYR laufen auf LLMs – für Texte, Recherchen und Angebotsentwürfe, jeweils mit festen Rollen und Zugriff auf unser gepflegtes Firmenwissen. Dabei habe ich gelernt, dass das Modell austauschbar ist, das Firmenwissen, die festen Abläufe und die Freigabe durch einen Menschen aber nicht. Genau so gehe ich bei Kunden vor: erst den Ablauf auswählen, der am meisten Zeit kostet, dann klären, welche Daten das Modell braucht und wo es sie verarbeiten darf, und erst danach das passende Modell wählen und im Alltag einführen.

Die Beratung davor ist für kleine und mittlere Unternehmen förderfähig: In Mecklenburg-Vorpommern bezuschusst das BAFA 80 Prozent der förderfähigen Beratungskosten, bemessen an höchstens 3.500 Euro netto je Beratung – Antrag vor Beratungsbeginn, nach geltender Richtlinie bis 31. Dezember 2026. Für die Umsetzung kommt in MV die KI-Förderung mit 50 Prozent und bis zu 50.000 Euro je Vorhaben in Frage. Welches Modell für welche Aufgabe im Mittelstand taugt, beschreibe ich im Beitrag Modell-Wirrwarr 2026.

Erstgespräch

Wofür sollte ein Sprachmodell in Ihrem Betrieb als Erstes arbeiten?

Im Erstgespräch schauen wir, welcher Ablauf in Ihrem Unternehmen heute am meisten Zeit kostet, ob ein LLM dort sinnvoll entlasten kann, welche Daten es dafür braucht – und ob die Beratung dazu gefördert werden kann.

Erstgespräch anfragen

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Häufige Fragen zu Large Language Model (LLM)

Was ist ein Large Language Model einfach erklärt?

Ein Large Language Model ist ein KI-Programm, das aus sehr vielen Texten gelernt hat, wie Sprache funktioniert, und deshalb selbst sinnvolle Texte schreiben kann. Es berechnet dabei Stück für Stück die wahrscheinlichste Fortsetzung eines Textes. So kann es Fragen beantworten, E-Mails entwerfen oder lange Dokumente zusammenfassen – allerdings ohne eigenes Wissen über Ihren Betrieb.

Ist ChatGPT ein Large Language Model?

Nein, ChatGPT ist eine Anwendung, die auf den GPT-Sprachmodellen von OpenAI läuft. Das LLM ist der Motor, ChatGPT die Oberfläche mit Chatverlauf, Dateiupload und weiteren Funktionen. Dieselben Modelle lassen sich auch über eine Schnittstelle direkt in eigene Programme, Websites oder Abläufe einbinden.

Wie aktuell ist das Wissen eines LLM?

Das eingebaute Wissen eines LLM reicht nur bis zum Ende seiner Trainingsdaten, das oft Monate vor der Veröffentlichung des Modells liegt. Manche Anwendungen ergänzen das durch eine Websuche oder durch angebundene Firmendokumente. Ohne solche Quellen kennt das Modell weder aktuelle Preise noch neue Gesetzesstände noch Ihre internen Unterlagen.

Kann man ein LLM im Unternehmen datenschutzkonform nutzen?

Ja, wenn Vertrag, Verarbeitungsort und Datenregeln vorher geklärt sind. Dazu gehören eine Business- oder Schnittstellen-Nutzung mit Auftragsverarbeitungsvertrag, möglichst eine Verarbeitung in der EU oder ein selbst betriebenes Modell und eine interne Regel, welche Daten eingegeben werden dürfen. Private Gratis-Konten sind für Kundendaten und vertrauliche Unterlagen ungeeignet.

Braucht ein mittelständisches Unternehmen ein eigenes LLM?

Nein, ein mittelständisches Unternehmen braucht in aller Regel kein eigenes LLM, sondern nutzt vorhandene Modelle. Ein eigenes Modell zu trainieren kostet Rechenleistung, Daten und Fachpersonal in einem Umfang, der sich für einzelne Betriebe kaum rechnet. Sinnvoller ist es, ein bestehendes Modell über Retrieval Augmented Generation mit dem eigenen Firmenwissen zu verbinden und in konkrete Abläufe einzubauen.