WissenBegriffvon

KI-Potenzialanalyse

Begriffskarte: KI-Potenzialanalyse – Wissen von Michael Selck

Eine KI-Potenzialanalyse ist eine strukturierte Untersuchung der Abläufe, Daten und Systeme eines Unternehmens, die zeigt, wo künstliche Intelligenz konkret Zeit spart, Qualität verbessert oder neue Leistungen ermöglicht. Ergebnis ist eine priorisierte Liste umsetzbarer Anwendungsfälle mit Aufwand, Nutzen und nächsten Schritten – häufig die Grundlage für Förderanträge und die anschließende KI-Implementierung.

Was bedeutet KI-Potenzialanalyse?

Viele Unternehmer wissen, dass künstliche Intelligenz ihnen helfen könnte – aber nicht, wo genau. Die KI-Potenzialanalyse beantwortet diese Frage systematisch. Sie beginnt nicht beim Werkzeug, sondern beim Betrieb: Welche Abläufe wiederholen sich täglich? Wo entstehen Wartezeiten, Doppelerfassungen und Rückfragen? Welche Informationen liegen in E-Mails, Ordnern, Excel-Listen oder nur in den Köpfen einzelner Mitarbeitender? Erst aus diesem Bild ergibt sich, an welchen Stellen Sprachmodelle, Dokumentenerkennung, Automatisierung oder ein KI-Assistent mit Firmenwissen tatsächlich etwas verändern.

Methodisch besteht die Analyse aus Gesprächen mit der Geschäftsführung und mit den Menschen, die die Arbeit täglich machen, aus der Sichtung von Abläufen, Daten und eingesetzten Programmen sowie aus einer Sammlung möglicher Anwendungsfälle. Jeder Fall wird nach Nutzen, Aufwand, Datenlage und Risiko bewertet – einschließlich Datenschutz und der Pflichten aus dem EU AI Act. Am Ende steht kein Foliensatz voller Möglichkeiten, sondern eine Rangliste: was zuerst, was später und was gar nicht.

Von Nachbarbegriffen lässt sich die KI-Potenzialanalyse klar abgrenzen. Eine KI-Strategie legt fest, welche Rolle KI langfristig im Geschäftsmodell spielen soll; die Potenzialanalyse liefert dafür die belastbare Grundlage aus dem Ist-Zustand. Ein KI-Workshop ist ein Format – oft der Auftakt, in dem ein Team erste Ideen sammelt; die Analyse geht tiefer und prüft jede Idee an Daten und Zahlen. Der Digitalisierungsberater betrachtet die digitale Ordnung eines Betriebs insgesamt; die Potenzialanalyse ist der KI-spezifische Teil davon und typischerweise der erste Arbeitsschritt eines KI-Beraters.

Ebenso wichtig ist die Grenze zur Umsetzung: Die Analyse selbst baut nichts. Sie endet mit einer Entscheidungsvorlage, die KI-Implementierung folgt als eigenes Projekt. Diese Trennung ist auch für die Finanzierung wichtig, weil Beratung und Umsetzung über unterschiedliche Förderprogramme laufen – wer beides vermischt, riskiert den Zuschuss.

KI-Potenzialanalyse kurz erklärt: die wichtigsten Punkte

  • Sie beginnt bei Abläufen und Daten des Betriebs, nicht bei einer Werkzeugliste.
  • Jeder Anwendungsfall wird nach Nutzen, Aufwand, Datenlage und Risiko bewertet – mit Zahlen aus dem Ist-Zustand, etwa der Zeit je Vorgang.
  • Datenschutz, Mitbestimmung und die Pflichten aus dem EU AI Act werden vor der Umsetzung geklärt, nicht danach.
  • Das Ergebnis ist eine Rangliste mit einem klar benannten ersten Projekt, das in Wochen statt Monaten umsetzbar ist.
  • Als Beratungsleistung ist sie getrennt von der Umsetzung – und kann je nach Programm gefördert werden.

KI-Potenzialanalyse in der Praxis

  • Großhandel mit vielen Angebotsanfragen: Der Innendienst überträgt Positionen aus E-Mails und PDF-Anhängen per Hand ins Warenwirtschaftssystem. Die Analyse misst den Zeitaufwand je Anfrage und zeigt: Das automatische Auslesen und Vorbefüllen der Angebote ist der größte Hebel – deutlich vor dem Chatbot, den die Geschäftsführung ursprünglich im Kopf hatte.
  • Handwerksbetrieb mit Aufmaß und Fotodokumentation: Notizen, Skizzen und Baustellenfotos liegen auf mehreren Handys und in Papiermappen. Priorität eins wird ein Angebotsentwurf aus diktierten Aufmaßnotizen, Priorität zwei eine geordnete Fotodokumentation. Eine KI-Telefonannahme wird zurückgestellt, weil die Zahl der Anrufe den Aufwand nicht rechtfertigt.
  • Dienstleister mit Wissen in wenigen Köpfen: Ein eigener KI-Assistent mit Firmenwissen klingt naheliegend. Die Analyse zeigt jedoch, dass Anleitungen und Checklisten verstreut und teils veraltet sind. Der erste Schritt ist deshalb, dieses Wissen zu sammeln und zu ordnen – erst danach lohnt sich der Assistent.

Woran Sie eine gute KI-Potenzialanalyse erkennen

  1. Sie fragt zuerst nach Abläufen, Zeitaufwand und Datenlage – und erst danach nach Werkzeugen.
  2. Sie bezieht die Menschen ein, die die Arbeit täglich machen, nicht nur die Geschäftsführung.
  3. Sie bewertet jeden Anwendungsfall nachvollziehbar und sagt auch deutlich, was sich nicht lohnt.
  4. Sie benennt Risiken offen: Datenschutz, Fehlerquoten, Abhängigkeit von Anbietern, Pflichten aus dem EU AI Act.
  5. Sie endet mit einem konkreten ersten Projekt – mit Verantwortlichen, Messgrößen und Zeitplan.

Typische Fehler

  • Das Werkzeug zuerst: Wer mit einer Software startet und dann Aufgaben dafür sucht, analysiert nicht, sondern rechtfertigt eine Kaufentscheidung.
  • Nur mit der Chefetage sprechen: Wo die Zeit wirklich verloren geht, wissen meist die Mitarbeitenden im Innendienst, in der Werkstatt oder im Büro.
  • Keine Vorher-Zahlen erheben: Ohne Zeit je Vorgang oder Fehlerquote lässt sich später weder der Nutzen belegen noch ein Förderantrag sauber begründen.
  • Die Analyse als Endpunkt sehen: Eine Liste, die in der Schublade landet, hat nichts gebracht – sie braucht ein Startdatum für das erste Projekt.

Mein Bezug

Die KI-Potenzialanalyse ist bei mir der erste Arbeitsschritt fast jeder KI-Beratung. Ich bin zertifizierter KI-Manager und BAFA-akkreditierter Berater und arbeite für Unternehmen in Rostock, Mecklenburg-Vorpommern und Norddeutschland. Was ich in einer Analyse empfehle, kenne ich aus meinen eigenen Firmen – dort laufen KI-Assistenten mit Firmenwissen und automatisierte Abläufe in Vertrieb und Verwaltung im Alltag. Wer die Analyse gemeinsam mit dem Team beginnen möchte, startet oft mit einem halbtägigen KI-Workshop; danach begleite ich auf Wunsch auch die Umsetzung.

Für die Förderung ist die Trennung entscheidend: Die Analyse ist Beratung, die Umsetzung ein eigenes Projekt. Als Beratungsleistung bezuschusst das BAFA in Mecklenburg-Vorpommern 80 Prozent der förderfähigen Kosten, bemessen an höchstens 3.500 Euro netto je Beratung; Anträge sind nach aktuellem Stand nur noch bis zum 31. Dezember 2026 möglich und müssen vor Beratungsbeginn gestellt werden. Für die Umsetzung fördert Mecklenburg-Vorpommern KI-Projekte mit 50 Prozent Zuschuss und bis zu 50.000 Euro je Vorhaben – eine saubere Potenzialanalyse liefert dafür die Projektbeschreibung. Details stehen in meinen Beiträgen zur KI-Förderung MV 2026 und zum Auslaufen der BAFA-Beratungsförderung.

Erstgespräch

Wo steckt in Ihrem Betrieb das größte KI-Potenzial?

Im Erstgespräch sehen wir uns die Aufgaben an, die Ihr Team heute am meisten Zeit kosten, klären, ob sich eine KI-Potenzialanalyse für Sie lohnt – und ob die Beratung gefördert werden kann.

Erstgespräch anfragen

Verwandte Begriffe

Weiterführende Beiträge

Häufige Fragen zu KI-Potenzialanalyse

Was ist eine KI-Potenzialanalyse?

Eine KI-Potenzialanalyse ist eine strukturierte Untersuchung, die zeigt, an welchen Stellen eines Unternehmens künstliche Intelligenz konkret Zeit spart, Qualität verbessert oder neue Leistungen ermöglicht. Ergebnis ist eine priorisierte Liste von Anwendungsfällen mit Aufwand, Nutzen und nächsten Schritten.

Wie lange dauert eine KI-Potenzialanalyse?

Für einen kleinen oder mittleren Betrieb reichen in der Regel einige Beratungstage, verteilt über zwei bis vier Wochen. Die Dauer hängt vor allem davon ab, wie viele Bereiche einbezogen werden und wie gut Abläufe und Daten bereits dokumentiert sind.

Wird eine KI-Potenzialanalyse gefördert?

Ja, als Beratungsleistung kann sie über die BAFA-Beratungsförderung bezuschusst werden – in Mecklenburg-Vorpommern mit 80 Prozent auf höchstens 3.500 Euro förderfähige Beratungskosten je Beratung. Der Antrag muss vor Beratungsbeginn gestellt werden, nach aktuellem Stand spätestens bis zum 31. Dezember 2026.

Was ist der Unterschied zwischen KI-Potenzialanalyse und KI-Strategie?

Die KI-Potenzialanalyse ermittelt aus dem Ist-Zustand, wo KI im Betrieb heute konkret wirkt; die KI-Strategie legt fest, welche Rolle KI langfristig im Geschäftsmodell spielen soll. Die Analyse ist damit die belastbare Grundlage, auf der eine Strategie aufbaut.

Was sollte ich für eine KI-Potenzialanalyse vorbereiten?

Am wichtigsten ist eine ehrliche Liste der Aufgaben, die Ihr Team heute am meisten Zeit kosten – mit einer groben Schätzung, wie oft sie anfallen und wie lange sie dauern. Hilfreich sind außerdem eine Übersicht der eingesetzten Programme und eine Ansprechperson je Bereich.