Serie: KI konkret

KI konkret: Was Architektur- und Ingenieurbüros in Norddeutschland jetzt umsetzen können

In Planungsbüros verschwindet erstaunlich viel Zeit in Arbeit, die mit Planen wenig zu tun hat: Protokolle von Baubesprechungen, Baubeschreibungen, Ausschreibungstexte, Normenrecherche, Mängel- und Nachtragsdokumentation und die Suche in alten Projektordnern. Dieser Beitrag zeigt, was KI dort heute konkret vorbereiten kann – ohne die fachliche Verantwortung der Planer zu ersetzen.

Architektin an einem großen Planungstisch in einem Büro in Norddeutschland, vor ihr ein ausgerollter Grundrissplan, Maßstab, Notizbuch und Laptop, dahinter unscharf Regale mit Projektordnern als Beispiel für KI im Architektur- und Ingenieurbüro

Donnerstag, 17 Uhr. Die Baubesprechung auf der Baustelle in Rostock ist seit zwei Stunden vorbei, das Protokoll soll morgen früh an alle Beteiligten gehen. Auf dem Schreibtisch liegen die Handnotizen, im Postfach warten zwei Mängelanzeigen mit Fotos und ein Nachtragsangebot des Rohbauers. Und die Bauherrin eines Neubauprojekts in Schwerin hat gefragt, ob es „so etwas Ähnliches“ schon einmal gegeben hat – irgendwo im Archiv muss das Projekt von 2017 liegen. Wer ein Planungsbüro führt, kennt solche Abende. Genau hier beginnt KI im Architektur- und Ingenieurbüro: nicht beim Entwurf, sondern bei der Schreib-, Such- und Dokumentationsarbeit, die jeden Tag Stunden kostet.

Vorweg, damit keine falsche Erwartung entsteht: KI entwirft keine Gebäude, bemisst keine Tragwerke und unterschreibt keine Bauvorlagen. Sie trägt auch nicht die Haftung. Was sie kann, ist die Vorarbeit übernehmen: aus Notizen ein sauberes Protokoll machen, aus freigegebenen Textbausteinen einen Entwurf für die Baubeschreibung zusammenstellen, aus zwanzig Jahren Projektablage das passende Referenzprojekt finden. Prüfen, entscheiden und verantworten bleibt bei Ihnen und Ihrem Team.

KI-Check Planungsbüro

Wo verliert Ihr Büro heute die meisten Stunden?

Mit meinen Unternehmen begleite ich Planungsbüros und Mittelständler von der Beratung, Prozessanalyse und Konzeption bis zur datenschutzkonformen Umsetzung – und prüfe dabei, welche Förderung zu Ihrem Büro passt. In einem kurzen Gespräch klären wir, welcher Ablauf sich zuerst lohnt und welche Daten dafür schon vorhanden sind.

KI-Projekt prüfen lassen

Typische Abläufe im Planungsbüro zwischen Rostock, Hamburg und Schwerin

Ob Architekturbüro mit acht Leuten in Wismar, Tragwerksplaner in Hamburg, TGA-Ingenieurbüro in Schwerin oder Generalplaner mit vierzig Mitarbeitenden in Rostock: Die Bauaufgaben unterscheiden sich, die Abläufe ähneln sich stark. Entlang der Leistungsphasen der HOAI laufen in jedem Büro dieselben Ketten:

  • Akquise und Angebot: Anfrage oder Wettbewerb, Honorarangebot, Referenzliste, Teilnahmeantrag mit Projektbeispielen.
  • Grundlagen und Entwurf: Bestandsunterlagen sichten, Bedarf klären, Varianten entwickeln, Kosten schätzen und berechnen.
  • Genehmigung: Bauantrag, Baubeschreibung, Nachweise, Abstimmung mit Behörden und Fachplanern.
  • Ausführungsplanung und Ausschreibung: Leistungsverzeichnisse, Vorbemerkungen, Mengen, Vergabe, Preisspiegel.
  • Bauüberwachung: Baubesprechungen, Protokolle, Mängelanzeigen, Nachträge, Bautagebuch, Rechnungsprüfung.
  • Abnahme und Dokumentation: Abnahmeprotokolle, Mängellisten, Gewährleistungsfristen, Übergabe an den Bauherrn.

Keiner dieser Schritte ist überflüssig. Aber in jedem steckt ein großer Anteil an Schreib-, Such- und Abstimmungsarbeit, der mit der eigentlichen Planungsleistung wenig zu tun hat – und der in der Honorarkalkulation selten so viel Platz hat, wie er tatsächlich braucht. Genau dieser Anteil ist der Ansatzpunkt für KI.

Die Zeitfresser im Büroalltag

Wenn ich mit Inhabern von Architektur- und Ingenieurbüros spreche, tauchen sechs Muster immer wieder auf. Keines ist spektakulär. Zusammen kosten sie aber jede Woche viele Stunden – meist von den erfahrensten Leuten im Büro.

Protokolle von Baubesprechungen

Eine Baubesprechung dauert eine Stunde, das saubere Protokoll danach oft noch einmal so lang. Handnotizen entziffern, Punkte den Gewerken zuordnen, Verantwortliche und Fristen eintragen, offene Punkte aus dem letzten Protokoll übernehmen. Bei mehreren Baustellen parallel ist das schnell ein ganzer Arbeitstag pro Woche – und ein Protokoll, das erst nach drei Tagen kommt, hat einen Teil seiner Wirkung schon verloren.

Baubeschreibungen und Ausschreibungstexte

Kaum ein Büro schreibt Baubeschreibungen oder Vorbemerkungen im Leistungsverzeichnis jedes Mal neu. Es wird kopiert: aus dem letzten ähnlichen Projekt, aus einer Vorlage, aus dem Gedächtnis. Dabei schleppen sich alte Formulierungen, überholte Produktangaben oder nicht mehr passende Ausführungen mit. Das Anpassen und Gegenlesen frisst die Zeit, die man durch das Kopieren sparen wollte.

Normen- und Vorschriftenrecherche

Welche Anforderung gilt für den zweiten Rettungsweg nach Landesbauordnung, welche Fassung einer Norm ist vertraglich vereinbart, was hat die Behörde beim letzten vergleichbaren Projekt verlangt? Die Antworten liegen verteilt in Normenportalen, Kommentaren, alten Schriftwechseln und Köpfen. Jede Recherche beginnt gefühlt bei null – obwohl das Büro dieselbe Frage vor zwei Jahren schon einmal beantwortet hat.

Mängel- und Nachtragsdokumentation

Mängel kommen als Foto per Messenger, als Zuruf auf der Baustelle oder als Notiz im Bautagebuch. Daraus werden Mängelanzeigen, Fristsetzungen und Nachkontrollen. Parallel kommen Nachtragsangebote, die gegen Leistungsverzeichnis und Vertrag geprüft werden müssen. Wer hier nicht sauber dokumentiert, hat später im Streitfall ein Problem – und wer sauber dokumentiert, sitzt abends lange am Rechner.

Die Suche in alten Projektordnern

„Wir haben doch 2018 eine Kita in Holzbauweise gemacht – wo liegen die Unterlagen?“ Die Antwort steht auf einem Netzlaufwerk mit gewachsener Ordnerstruktur, in einem Archivschrank oder im Gedächtnis eines Kollegen, der inzwischen woanders arbeitet. Für Referenzlisten, Teilnahmeanträge und Kostenkennwerte wird immer wieder gesucht, statt gefunden.

Abstimmung per E-Mail

Fachplaner, Bauherr, Behörden, ausführende Firmen: Ein mittleres Projekt erzeugt Hunderte E-Mails mit Planständen, Rückfragen und Freigaben. Welche Version gilt, wer hat was zugesagt, was ist noch offen? Diese Fragen kosten in jedem Jour fixe Zeit.

KI im Planungsbüro beginnt nicht am Zeichenbrett. Sie beginnt an dem Schreibtisch, an dem abends Protokolle getippt, Textbausteine angepasst und alte Projekte gesucht werden.

Verstreutes Projektwissen: PDFs, Pläne und Handnotizen

Der zweite Blick gilt dem Wissen, das ein Planungsbüro längst besitzt, aber kaum nutzen kann. Nach zehn, zwanzig oder dreißig Jahren Bürogeschichte liegt dort ein enormer Schatz – nur eben nicht so, dass man ihn schnell heben kann:

  • Pläne und Planstände als PDF, CAD- und BIM-Dateien, teils nur als Ausdruck oder Scan mit handschriftlichen Anmerkungen.
  • Baubeschreibungen, Leistungsverzeichnisse und Vorbemerkungen in Word, im AVA-Programm oder als GAEB-Datei – selten nach Bauteil oder Qualität durchsuchbar.
  • Protokolle, Bautagebücher und Mängellisten in Ordnern je Projekt, mit eigenen Formaten je Projektleiter.
  • Schriftwechsel mit Behörden, in denen steht, welche Auflagen und Abweichungen in der Vergangenheit akzeptiert wurden.
  • Kostenfeststellungen und Kennwerte abgeschlossener Projekte, oft in Tabellen, die nur ihr Ersteller versteht.
  • Handnotizen und Skizzen aus Baubesprechungen, Ortsterminen und Bauherrengesprächen.
  • Erfahrungswissen der Projektleiter: welches Detail sich bewährt hat, welche Firma zuverlässig ist, welche Behörde worauf achtet.

Was heute nur auf Papier steht, kann morgen keine KI nutzen. Diesen Gedanken habe ich ausführlich hier beschrieben: Was heute nur auf Papier steht, kann morgen keine KI nutzen. Für Planungsbüros kommt der Generationenwechsel hinzu: Viele Büros in Mecklenburg-Vorpommern stehen vor einer Nachfolge, und mit den Gründern geht oft das Wissen über Hunderte Projekte. Wie man das rechtzeitig sichert, steht in Wissen sichern, wenn der beste Mitarbeiter geht.

Was KI im Planungsbüro konkret vorbereiten kann

Jetzt zum praktischen Teil. Alle folgenden Anwendungsfälle haben eines gemeinsam: Die KI liest, sortiert, fasst zusammen und entwirft. Die Planerin oder der Planer prüft, korrigiert und gibt frei. Fünf Felder sind für Architektur- und Ingenieurbüros besonders lohnend.

1. Ein internes Firmengehirn für Referenzprojekte und Leistungsbeschreibungen

Das ist für viele Büros der größte Hebel. Abgeschlossene Projekte werden als kurze Steckbriefe erfasst – Bauaufgabe, Bauherr, Standort, Leistungsphasen, Bauweise, Kostenkennwerte, Besonderheiten – und mit den freigegebenen Baubeschreibungen, Leistungsverzeichnissen und Protokollen verknüpft. Ein interner Assistent beantwortet dann Fragen aus Ihren eigenen Unterlagen, nicht aus dem Internet:

  • „Welche Schulprojekte in Holzhybridbauweise haben wir seit 2015 gemacht – mit Bruttogrundfläche und Kostenkennwert?“
  • „Wie haben wir die Vorbemerkungen für Trockenbau beim letzten Verwaltungsbau formuliert?“
  • „Was hat die Bauaufsicht beim Projekt in Güstrow zum Brandschutz nachgefordert?“

Jede Antwort nennt die Quelle, also Projekt und Dokument, damit sie nachprüfbar bleibt. Für Teilnahmeanträge und Referenzlisten spart das Stunden, für neue Mitarbeitende ist es die schnellste Einarbeitung, die ein Büro bieten kann. Und es ist die Grundlage, auf der alle weiteren Anwendungen aufbauen.

2. Automatische Protokollerstellung nach der Baubesprechung

Nach der Besprechung sprechen Sie die Ergebnisse in drei Minuten ins Smartphone ein – oder Sie nehmen die Besprechung mit Zustimmung aller Teilnehmenden auf. Die KI erstellt daraus ein Protokoll in Ihrer Bürovorlage: Punkte nach Gewerk, Verantwortliche, Fristen, Status. Offene Punkte aus dem letzten Protokoll werden automatisch übernommen und als erledigt oder weiterhin offen markiert.

  • Am selben Tag statt nach drei Tagen: Das Protokoll ist fertig, solange alle die Besprechung noch im Kopf haben.
  • Einheitlich: Jedes Projekt, jeder Projektleiter, dieselbe Struktur.
  • Nachverfolgbar: Fristen und Zuständigkeiten lassen sich auswerten, auch projektübergreifend.

Wichtig: Eine Aufnahme ohne Zustimmung ist keine Option – das nicht öffentlich gesprochene Wort ist strafrechtlich geschützt. Das Einsprechen direkt nach dem Termin ist in der Praxis ohnehin oft der bessere Weg, weil es schon die erste Verdichtung enthält.

3. Entwürfe für Baubeschreibungen und Ausschreibungstexte

Statt aus dem letzten Projekt zu kopieren, stellt die KI einen Entwurf aus Ihren freigegebenen Textbausteinen zusammen – passend zu Bauaufgabe, Bauweise und Qualitätsstandard, die Sie vorgeben. Sie markiert, wo Angaben fehlen oder sich widersprechen, und weist auf Formulierungen hin, die aus einem anderen Projekt stammen und nicht passen.

  • Baubeschreibung: Gliederung, Bauteilbeschreibungen und Ausstattung als Entwurf, den der Projektleiter anpasst.
  • Vorbemerkungen im LV: Vorschläge aus bewährten Formulierungen Ihres Büros statt Copy-and-paste mit Altlasten.
  • Plausibilitätsblick: Hinweise auf doppelte, fehlende oder widersprüchliche Positionen – die Prüfung bleibt beim Menschen.

Mengen, Produktneutralität und vergaberechtliche Anforderungen verantwortet weiterhin das Büro. Die KI liefert den Rohbau des Textes, nicht die Abnahme.

4. Normen- und Vorschriftenrecherche vorbereiten

Hier ist Vorsicht und gute Einrichtung gefragt. Eine allgemeine Chat-KI erfindet gelegentlich Normnummern, Paragrafen oder Grenzwerte, die plausibel klingen und falsch sind – warum das so ist, erkläre ich in Kann man KI-Antworten trauen?. Sinnvoll ist deshalb ein Assistent, der nur auf Quellen antwortet, die Sie ihm geben: die Landesbauordnungen, die für Ihre Projekte gelten, Ihre internen Prüflisten und die Schriftwechsel mit Behörden aus früheren Projekten.

  • Erste Orientierung schneller: „Welche Vorgaben zu Abstandsflächen gelten nach der Landesbauordnung MV – und wie haben wir das bei vergleichbaren Projekten gelöst?“ mit Fundstelle.
  • Eigene Erfahrung nutzbar: Behördenauflagen und akzeptierte Abweichungen aus früheren Verfahren werden auffindbar.
  • Lizenzen beachten: Normtexte sind urheberrechtlich geschützt und lizenziert. Ob und wie sie in ein KI-System dürfen, regelt Ihr Lizenzvertrag – das gehört vor dem Start geklärt.

5. Mängel- und Nachtragsdokumentation

Fotos und Sprachnotizen von der Baustelle werden zu strukturierten Mängeleinträgen: Bauteil, Ort, Gewerk, Beschreibung, Frist. Daraus entstehen Entwürfe für Mängelanzeigen und Nachkontrolllisten. Bei Nachträgen gleicht die KI das Angebot mit dem Leistungsverzeichnis ab, sucht nach Positionen, die bereits beauftragt sind, und bereitet eine Prüfnotiz vor.

  • Lückenlos: Kein Mangel bleibt im Messenger hängen, jede Frist ist erfasst.
  • Schneller geprüft: Der Projektleiter beginnt die Nachtragsprüfung mit einem vorbereiteten Abgleich statt beim leeren Blatt.
  • Gewährleistung im Blick: Abnahmedaten und Fristen werden je Gewerk festgehalten und rechtzeitig angezeigt.

Ob ein Nachtrag berechtigt ist, entscheidet nicht die KI, sondern die fachliche und vertragliche Bewertung im Büro.

Was bewusst bei den Planern bleibt

Gerade in einem Beruf mit persönlicher Haftung sollte man die Grenzen von Anfang an klar ziehen – nicht als Bremse, sondern als Bauanleitung.

  1. Entwurf, Bemessung, Freigabe. Gestaltung, Tragwerksberechnung, technische Auslegung und jede Unterschrift unter Bauvorlagen bleiben beim verantwortlichen Planer. KI-Ergebnisse sind Entwürfe, keine Planungsleistung.
  2. Prüfpflicht vor dem Versand. Was das Büro verlässt – Protokoll, Baubeschreibung, Mängelanzeige –, wird von einem Menschen gelesen und freigegeben. Das ist auch eine Frage der Berufshaftpflicht.
  3. Vertraulichkeit von Plänen und Bauherrendaten. Pläne, Sicherheitskonzepte und Bauherrendaten gehören in eine selbst gehostete oder vertraglich klar abgesicherte Umgebung mit Verarbeitung in der EU, nicht in frei verfügbare Chat-Werkzeuge. Warum Datenschutz trotzdem selten der eigentliche Grund ist, nicht anzufangen, steht in Datenschutz als Ausrede?
  4. Team mitnehmen. Der EU AI Act verlangt, dass Mitarbeitende, die mit KI arbeiten, ausreichend geschult sind. Einen Überblick gibt EU AI Act 2026: Was jetzt für Ihr Unternehmen gilt. Wer offen sagt, dass es um weniger Abendarbeit und nicht um Kontrolle geht, bekommt auch die Akzeptanz der Projektleiter.

Welche Datenbasis Sie dafür brauchen

KI ist nur so gut wie die Grundlage, auf der sie arbeitet. Die gute Nachricht: Sie müssen nicht das ganze Archiv auf einmal ordnen, sondern nur das, was Ihr erster Anwendungsfall braucht.

  • Für Protokolle: eine einheitliche Protokollvorlage mit festen Feldern – Punkt, Gewerk, Verantwortlich, Frist, Status – und fünf bis zehn gute Beispielprotokolle.
  • Für das Firmengehirn: Projektsteckbriefe für abgeschlossene Projekte mit Bauaufgabe, Bauherr, Ort, Leistungsphasen, Bauweise, Flächen, Kostenkennwerten und Besonderheiten. Fünfzig gute Steckbriefe sind wertvoller als fünftausend unsortierte Dateien.
  • Für Baubeschreibungen und Ausschreibungstexte: Ihre freigegebenen Textbausteine und Beschreibungen abgeschlossener Projekte, nach Bauteil oder Gewerk geordnet, mit dem Hinweis, welche Fassung aktuell gilt.
  • Für die Recherche: die relevanten Landesbauordnungen, interne Prüflisten und Behördenschriftwechsel – und die Klärung, welche lizenzierten Normtexte genutzt werden dürfen.
  • Für Mängel und Nachträge: eine feste Struktur für Mängeleinträge und Leistungsverzeichnisse in einem auswertbaren Format, etwa als GAEB-Datei aus Ihrem AVA-Programm.

Über allem steht eine unscheinbare Regel: eine eindeutige Projektnummer und eine einheitliche Ordnerstruktur. Wenn Protokolle, Pläne und Schriftverkehr überall unter derselben Nummer liegen, lassen sie sich verknüpfen. Das klingt banal, ist in der Praxis aber oft der erste echte Arbeitsschritt – und einer, der sich auch ohne KI sofort auszahlt.

Der sinnvolle erste Pilot: ein Ablauf, drei Projekte, sechs Wochen

Der häufigste Fehler ist im Planungsbüro derselbe wie überall: erst eine Software kaufen, dann überlegen, wofür. Besser andersherum – erst der Prozess, dann das Werkzeug. Warum diese Reihenfolge über Erfolg und Misserfolg entscheidet, habe ich hier ausgeführt: KI-Beratung beginnt nicht mit Tools, sondern mit Prozessen. Für ein Architektur- oder Ingenieurbüro hat sich dieser Einstieg bewährt:

  1. Zwei Wochen zählen. Wie viele Stunden gehen pro Woche in Protokolle, Baubeschreibungen, Recherche, Mängel- und Nachtragsdokumentation und die Suche nach alten Unterlagen? Eine einfache Strichliste je Projektleiter reicht.
  2. Einen Ablauf auswählen. Den mit dem größten Zeitverlust und dem geringsten Risiko. In den meisten Büros ist das das Protokoll der Baubesprechung – es kommt jede Woche vor, ist gut messbar und wird ohnehin vor dem Versand geprüft.
  3. Grundlage für genau diesen Ablauf schaffen. Eine Protokollvorlage festlegen, Beispielprotokolle auswählen, die datenschutzkonforme Umgebung einrichten.
  4. An zwei oder drei laufenden Projekten testen. Vier bis sechs Wochen, mit ehrlichem Feedback der Projektleiter: Wie viel Nacharbeit braucht der Entwurf? Wie viel Zeit bleibt übrig?
  5. Erst dann ausweiten. Wenn die gemessene Entlastung stimmt, folgt der nächste Baustein – häufig das Firmengehirn mit Referenzprojekten, das dann auch die Protokolle als Wissensquelle nutzt.

Dafür braucht es kein Großprojekt. Wie ein erster Anwendungsfall in einem Monat produktiv wird, zeige ich in In 30 Tagen zum ersten produktiven KI-Anwendungsfall.

Förderwege: BAFA-Beratung und KI-Förderung MV richtig einordnen

Für Planungsbüros lohnt sich hier ein genauer Blick, denn die beiden wichtigsten Förderwege behandeln Architekten und Ingenieure unterschiedlich.

BAFA-Beratungsförderung: Antragsberechtigt sind kleine und mittlere Unternehmen und ausdrücklich auch Angehörige der Freien Berufe – also auch das inhabergeführte Architekturbüro oder die Ingenieurpartnerschaft. Gefördert werden Beratung, Prozessanalyse, KI-Potenzialanalyse und Konzept, nicht Software oder Umsetzung. In Mecklenburg-Vorpommern beträgt der Zuschuss nach aktueller Richtlinie 80 Prozent der förderfähigen Beratungskosten bei einer Bemessungsgrundlage von maximal 3.500 Euro netto, in Hamburg und Schleswig-Holstein 50 Prozent. Einzelheiten stehen in BAFA-Beratungsförderung 2026.

KI-Förderung MV: Das Landesprogramm bezuschusst die Umsetzung einer KI-Lösung mit 50 Prozent und maximal 50.000 Euro je Vorhaben. Hier liegt für Planungsbüros der kritische Punkt: Die Richtlinie schließt Freiberufler und Beratungsunternehmen aus. Ein freiberuflich geführtes Architektur- oder Ingenieurbüro fällt damit in der Regel heraus. Bei Büros in anderer Rechtsform oder mit gewerblichem Geschäftsbetrieb muss die Antragsberechtigung vor dem Antrag im Einzelfall mit der Förderstelle geklärt werden. Was die Förderung genau umfasst, steht in KI-Förderung MV 2026: Bis zu 50.000 Euro Zuschuss für die Umsetzung, Projektbeispiele finden Sie in KI-Förderung MV: Welche Projekte sind jetzt möglich?.

Für Büros in Hamburg, Berlin, Brandenburg oder Schleswig-Holstein gelten eigene Landesprogramme; den Gesamtüberblick gibt KI-Förderung 2026 in Deutschland. Zwei Regeln gelten überall: Förderbedingungen ändern sich und müssen vor Antragstellung geprüft werden, und der Antrag kommt vor dem Projektstart. Wer erst beauftragt und dann beantragt, verliert die Förderung meist vollständig.

Fördercheck

Welcher Förderweg passt zu Ihrem Büro?

Ob BAFA-geförderte Beratung, Landesprogramm oder beides: Das hängt bei Planungsbüros an Rechtsform, Standort und Vorhaben. Ich prüfe das mit Ihnen, bevor Kosten entstehen – und wir legen fest, welcher Ablauf zuerst angegangen wird.

KI-Projekt prüfen lassen

Häufige Fragen zu KI im Architektur- und Ingenieurbüro

Wo hilft KI in einem Architektur- oder Ingenieurbüro konkret?

Vor allem bei der Routinearbeit rund um die Planung: Protokolle von Baubesprechungen, Entwürfe für Baubeschreibungen und Ausschreibungstexte, die Vorbereitung von Normen- und Vorschriftenrecherchen, die Mängel- und Nachtragsdokumentation sowie die Suche in alten Projektordnern über ein internes Firmengehirn. Die KI liest, sortiert, fasst zusammen und entwirft. Entwurf, Bemessung, Freigabe und Unterschrift bleiben bei den Planerinnen und Planern.

Ersetzt KI die fachliche Verantwortung von Architekten und Ingenieuren?

Nein. Die Verantwortung für Planung, Statik, Ausschreibung und Bauüberwachung bleibt bei den Menschen, die dafür haften und versichert sind. KI bereitet vor und spart Schreib- und Suchzeit. Jede Ausgabe wird fachlich geprüft, bevor sie das Büro verlässt. Das gilt besonders für Normverweise, Mengen und technische Angaben, weil KI-Systeme dort plausibel klingende, aber falsche Antworten liefern können.

Welche Daten braucht ein Planungsbüro für den Einstieg in KI?

Passend zum ersten Anwendungsfall: für Protokolle eine einheitliche Protokollvorlage und einige gute Beispielprotokolle, für Baubeschreibungen und Ausschreibungstexte die eigenen Textbausteine und freigegebene Beschreibungen abgeschlossener Projekte, für das Firmengehirn Projektsteckbriefe mit Bauaufgabe, Bauherr, Leistungsphasen, Kosten und Besonderheiten. Wichtig ist eine einheitliche Projektnummer und Ordnerstruktur, damit Dokumente verknüpft werden können.

Darf ich Baubesprechungen für ein KI-Protokoll aufnehmen?

Nur mit Zustimmung aller Teilnehmenden. Das nicht öffentlich gesprochene Wort ist strafrechtlich geschützt, und es werden personenbezogene Daten verarbeitet. Eine praktikable Alternative ist, die Ergebnisse direkt nach der Besprechung kurz einzusprechen und daraus das Protokoll erstellen zu lassen. Die Aufnahmen und Protokolle gehören in eine abgesicherte Umgebung mit Verarbeitung in der EU.

Womit sollte ein Architektur- oder Ingenieurbüro bei KI anfangen?

Mit einem einzigen Ablauf, der heute nachweisbar Zeit kostet und ein geringes Risiko hat. In vielen Büros ist das das Protokoll der Baubesprechung oder die Suche nach Referenzprojekten. Zwei Wochen lang wird gezählt, wie viel Zeit dafür draufgeht, dann wird ein kleiner Pilot an zwei oder drei laufenden Projekten getestet. Erst wenn die gemessene Entlastung stimmt, wird ausgeweitet.

Gibt es Förderung für KI-Projekte in Architektur- und Ingenieurbüros?

Für Beratung, Prozessanalyse und Konzept kommt die BAFA-Beratungsförderung in Frage, für die auch Angehörige der Freien Berufe antragsberechtigt sind; in Mecklenburg-Vorpommern beträgt der Zuschuss nach aktueller Richtlinie 80 Prozent auf maximal 3.500 Euro netto Beratungskosten. Die KI-Förderung MV für die Umsetzung schließt Freiberufler und Beratungsunternehmen dagegen aus. Ob ein Planungsbüro antragsberechtigt ist, hängt deshalb von Rechtsform und Einordnung ab und muss vor dem Antrag geprüft werden.

Was ist die Serie „KI konkret“?

„KI konkret“ ist meine Beitragsreihe, die künstliche Intelligenz für kleine und mittlere Unternehmen greifbar macht – Branche für Branche, mit konkreten Anwendungsfällen statt allgemeiner Schlagworte. Diese Folge widmet sich Architektur- und Ingenieurbüros in Norddeutschland. Weitere Folgen gibt es unter anderem zum Handwerk in Mecklenburg-Vorpommern, zu Produktionsbetrieben, zu Immobilienmaklern und Hausverwaltungen und zu Arzt- und Zahnarztpraxen.

Fazit: Mehr Zeit für das, wofür Planer ausgebildet sind

Architektur- und Ingenieurbüros in Norddeutschland brauchen für den Einstieg in KI weder ein BIM-Großprojekt noch eine neue Software-Landschaft. Sie brauchen Entlastung an den Stellen, an denen heute jeden Abend Zeit verloren geht: Protokolle am selben Tag, Baubeschreibungen und Ausschreibungstexte aus geprüften Bausteinen, Recherchen mit Quellenangabe, eine lückenlose Mängel- und Nachtragsdokumentation und ein Firmengehirn, das Referenzprojekte findet, statt sie suchen zu lassen. Richtig aufgesetzt – mit vertraulichen Plänen in geschützter Umgebung, klarer Prüfpflicht und dem Team an Bord – bleibt die fachliche Verantwortung genau dort, wo sie hingehört.

Genau diesen Weg begleite ich mit meinen Unternehmen: von der Prozessanalyse und Konzeption über die Fördermittelprüfung bis zur datenschutzkonformen Umsetzung. Wenn Sie wissen möchten, welcher Ablauf in Ihrem Büro zuerst Zeit zurückgibt, lassen Sie uns unverbindlich darüber sprechen.

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Nächster Schritt

Lassen Sie uns Ihr KI-Projekt im Planungsbüro prüfen.

In einem kurzen Gespräch ordnen wir ein, welcher Ablauf sich in Ihrem Büro zuerst lohnt – Protokolle, Baubeschreibungen, Ausschreibungstexte, Recherche, Mängel und Nachträge oder das Firmengehirn für Referenzprojekte –, welche Daten dafür schon vorhanden sind und welcher Förderweg zu Ihrem Büro passt. Konkret, unverbindlich und aus unternehmerischer Sicht.

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