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Digitaler Reifegrad

Begriffskarte: Digitaler Reifegrad – Wissen von Michael Selck

Der digitale Reifegrad beschreibt, wie weit ein Unternehmen seine Prozesse, Daten, Systeme, Kundenkontakte und Kompetenzen bereits digitalisiert hat, meist eingeordnet in Stufen von „analog“ bis „datengetrieben“. Er ist der Ausgangspunkt, um sinnvolle nächste Digitalisierungs- und KI-Schritte sowie passende Förderprogramme festzulegen.

Was bedeutet Digitaler Reifegrad?

Fast jeder Betrieb ist heute irgendwie digital: Es gibt eine Buchhaltungssoftware, ein E-Mail-Postfach, vielleicht ein Warenwirtschaftsprogramm. Der digitale Reifegrad fragt genauer nach – nicht ob Software vorhanden ist, sondern wie gut Informationen durch das Unternehmen fließen. Werden Aufträge einmal erfasst und laufen dann ohne Abtippen bis zur Rechnung? Oder wandert derselbe Vorgang über Zettel, Excel-Liste und Telefonnotiz? Je weniger Brüche, je besser die Daten und je sicherer die Mitarbeitenden mit den Werkzeugen umgehen, desto höher der Reifegrad.

Eingeordnet wird er fast immer in Stufen, die in einem sogenannten Reifegradmodell beschrieben sind. Die Namen unterscheiden sich, die Logik ist ähnlich: analog (Papier, Telefon, Einzeldateien), teilweise digital (einzelne Programme, die nicht miteinander sprechen), vernetzt (Systeme mit Schnittstellen, gemeinsame Datenbasis), automatisiert (Routinen laufen ohne Handarbeit) und datengetrieben (Entscheidungen auf Basis aktueller Kennzahlen, KI im Alltag). Wichtig ist, dass ein Unternehmen selten auf einer Stufe steht. Die Buchhaltung kann vernetzt sein, während die Baustelle noch mit Zetteln arbeitet. Ein ehrliches Ergebnis bewertet deshalb jeden Bereich einzeln.

Vom Nachbarbegriff Digitalisierungsgrad wird der Reifegrad oft gar nicht unterschieden; streng genommen zählt der Digitalisierungsgrad eher, wie viel digital ist, während der Reifegrad auch Qualität, Vernetzung und Kompetenz einbezieht. Eine Prozessanalyse geht tiefer und nimmt einzelne Abläufe Schritt für Schritt auf – sie liefert die Belege, aus denen sich der Reifegrad ableitet. Eine KI-Potenzialanalyse fragt gezielt, wo künstliche Intelligenz hilft, und setzt einen gewissen Reifegrad bereits voraus. Das Digitalisierungskonzept schließlich baut auf der Bestandsaufnahme auf und legt fest, wie es von der heutigen Stufe zur nächsten geht.

Für Geschäftsführer ist der Reifegrad vor allem ein Werkzeug zur Reihenfolge. Wer weiß, dass Daten noch in Köpfen und Ordnern stecken, startet nicht mit einem KI-Assistenten, sondern mit einer sauberen Datenbasis – die Grundlage dafür beschreibt eine Datenstrategie. Zugleich ist die Bestandsaufnahme ein fester Bestandteil vieler Förderanträge: Ausgangslage, Ziel und Maßnahmen lassen sich nur beschreiben, wenn der Ist-Stand bekannt ist.

Digitaler Reifegrad kurz erklärt: die wichtigsten Punkte

  • Er misst nicht die Zahl der Programme, sondern wie gut Informationen ohne Brüche durch die Abläufe fließen.
  • Er wird in Stufen eingeordnet, meist von analog über vernetzt und automatisiert bis datengetrieben.
  • Er wird je Bereich bewertet – Prozesse, Daten, Systeme, Kundenkontakt, Kompetenzen, Führung –, weil Betriebe fast nie überall gleich weit sind.
  • Er bestimmt die Reihenfolge: erst digitale Daten und klare Abläufe, dann Automatisierung, dann KI.
  • Er ist eine Momentaufnahme und sollte nach jedem größeren Schritt erneut geprüft werden.

Digitaler Reifegrad in der Praxis

  • Tischlerei mit 15 Mitarbeitenden: Die Buchhaltung läuft digital mit dem Steuerbüro, Aufmaße und Stundenzettel entstehen auf Papier und werden abends abgetippt. Ergebnis der Einordnung: Verwaltung „vernetzt“, Werkstatt und Montage „analog“. Der sinnvolle nächste Schritt ist keine KI, sondern eine mobile Erfassung von Aufmaß, Fotos und Zeiten – erst danach lohnt sich eine automatische Angebotsvorbereitung.
  • Großhändler mit 60 Mitarbeitenden: Warenwirtschaft und Webshop sind gekoppelt, Kundenanfragen landen aber in persönlichen Postfächern, und Produktdaten sind uneinheitlich gepflegt. Die Bestandsaufnahme zeigt: Systeme „vernetzt“, Kundenkontakt „teilweise digital“, Daten der eigentliche Engpass. Vor KI-Antwortentwürfen steht deshalb die Bereinigung der Produktdaten und ein gemeinsames Postfach.
  • Pflegedienst vor dem Förderantrag: Die Tourenplanung läuft digital, Übergaben und Qualitätswissen stecken in Köpfen und Ordnern. Die Reifegrad-Einordnung liefert die Ausgangslage für den Antrag und macht sichtbar, dass zuerst eine strukturierte Wissensbasis entstehen muss, bevor ein interner KI-Assistent darauf zugreifen kann.

Woran Sie einen niedrigen digitalen Reifegrad erkennen

  1. Dieselben Daten werden mehrfach erfasst – vom Papier ins Programm, aus der E-Mail in die Excel-Liste. Jede dieser Stellen ist ein Medienbruch.
  2. Wichtige Informationen sind nur über bestimmte Personen erreichbar: Ist die Kollegin im Urlaub, steht der Vorgang.
  3. Kennzahlen wie Durchlaufzeit, offene Angebote oder Auslastung lassen sich nicht auf Knopfdruck abrufen, sondern müssen zusammengesucht werden.
  4. Kunden erreichen Sie fast nur per Telefon und E-Mail; Termine, Anfragen und Status-Rückfragen laufen über Ping-Pong.
  5. Neue Programme werden einzeln angeschafft, ohne Schnittstelle und ohne klare Zuständigkeit – und nach einigen Monaten kaum noch genutzt.

Typische Fehler

  • Den Reifegrad mit der Softwareliste verwechseln: Zehn Programme ohne Verbindung sind kein hoher Reifegrad, sondern zehn Insellösungen.
  • Nur die Chefetage befragen: Wer die Menschen in Büro, Werkstatt und Außendienst nicht einbezieht, bewertet die Abläufe so, wie sie gedacht sind – nicht so, wie sie laufen.
  • Einen Gesamtwert bilden und dabei stehen bleiben: Eine Durchschnittsnote verdeckt genau die Bereiche, in denen der nächste Schritt liegt.
  • Stufen überspringen wollen: KI auf einen analogen Ablauf zu setzen, scheitert fast immer an fehlenden oder unauffindbaren Daten.

Mein Bezug

Ich bin seit 17 Jahren Unternehmer und begleite von Rostock aus Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern und Norddeutschland bei Digitalisierung und KI. Die Einordnung des digitalen Reifegrads steht bei mir fast immer am Anfang: Wir schauen uns echte Abläufe an, bewerten jeden Bereich einzeln und leiten daraus ab, welcher Schritt jetzt trägt – und welcher noch warten muss. Ich kenne beide Seiten aus dem eigenen Betrieb: In meinen Unternehmen pxMEDIA und ONFYR arbeiten heute rund 40 digitale Mitarbeiter in festen Abläufen. Das funktioniert nur, weil wir die Grundlagen – digitale Daten, klare Übergaben, ein gemeinsames Firmengehirn – vorher gelegt haben. Die Beratung läuft über ONFYR, die Umsetzung kann über pxMEDIA folgen, mit sauber getrennten Kosten.

Über ONFYR bin ich als BAFA-akkreditierter Berater registriert (Berater-ID 228667). Entsteht die Bestandsaufnahme im Rahmen einer Beratung, bezuschusst das BAFA sie für kleine und mittlere Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern mit 80 Prozent, höchstens 2.800 Euro je Beratung; die Richtlinie ist bis Ende 2028 verlängert, für Anträge ab dem 1. Januar 2027 gelten geänderte Bedingungen, unter anderem die Antragstellung über ELSTER oder BundID. Für die Umsetzung kommt in MV die KI-Förderung infrage: bis zu 50 Prozent der förderfähigen Ausgaben, höchstens 50.000 Euro, für Unternehmen mit bis zu 100 Beschäftigten und mit Antrag vor Projektbeginn. Verbindlich sind immer Richtlinie und Bescheid.

Erstgespräch

Wo steht Ihr Betrieb digital – und was ist der nächste sinnvolle Schritt?

Im Erstgespräch ordnen wir Ihre Ausgangslage ein, klären, welcher Bereich zuerst dran ist, und prüfen, ob eine geförderte Beratung für Sie der richtige Weg ist.

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Häufige Fragen zu Digitaler Reifegrad

Wie misst man den digitalen Reifegrad eines Unternehmens?

Man misst den digitalen Reifegrad, indem man mehrere Bereiche getrennt bewertet – typischerweise Prozesse, Daten, Systeme, Kundenkontakt, Kompetenzen und Führung – und jedem Bereich eine Stufe zuordnet. Grundlage sind Fragebögen, Gespräche mit Mitarbeitenden und der Blick auf echte Abläufe vom Angebot bis zur Rechnung. Aussagekräftig wird das Ergebnis erst mit Belegen, etwa wie oft Daten abgetippt werden oder wie lange ein Vorgang dauert.

Welche Stufen hat ein Reifegradmodell der Digitalisierung?

Die meisten Reifegradmodelle arbeiten mit vier bis sechs Stufen, die von analog über teilweise digital und vernetzt bis datengetrieben reichen. Auf der untersten Stufe laufen Abläufe über Papier, Telefon und Einzeldateien; auf der obersten werden Entscheidungen auf Basis aktueller Daten getroffen und Routinen automatisiert. Die Bezeichnungen unterscheiden sich je nach Modell, die Logik ist fast immer dieselbe.

Gibt es einen kostenlosen Check für den digitalen Reifegrad?

Ja, Kammern, Verbände und Förderinstitutionen bieten kostenlose Online-Selbstchecks zum digitalen Reifegrad an. Sie liefern in wenigen Minuten eine erste Einordnung, beruhen aber auf Selbsteinschätzung und bleiben allgemein. Für konkrete nächste Schritte braucht es den Blick auf die eigenen Abläufe, etwa in einer Prozessanalyse oder einer geförderten Beratung.

Welcher digitale Reifegrad ist für den Einsatz von KI nötig?

Für KI braucht ein Unternehmen mindestens einen mittleren Reifegrad in dem Bereich, in dem die KI arbeiten soll: Die Informationen müssen digital, auffindbar und einigermaßen einheitlich vorliegen. Ein Betrieb muss dafür nicht überall vernetzt sein. Es reicht, wenn der eine Ablauf, den die KI unterstützen soll, sauber digital erfasst ist.

Wird die Ermittlung des digitalen Reifegrads gefördert?

Ja, wenn die Bestandsaufnahme Teil einer Unternehmensberatung durch einen akkreditierten Berater ist, kann sie für kleine und mittlere Unternehmen über die BAFA-Beratungsförderung bezuschusst werden. In Mecklenburg-Vorpommern sind es 80 Prozent, höchstens 2.800 Euro je Beratung; der Antrag muss vor Beratungsbeginn gestellt sein. Die anschließende Umsetzung läuft über eigene Programme, in MV etwa die KI-Förderung mit bis zu 50 Prozent Zuschuss und höchstens 50.000 Euro.