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Prozessautomatisierung

Begriffskarte: Prozessautomatisierung – Wissen von Michael Selck

Prozessautomatisierung bedeutet, dass wiederkehrende, regelbasierte Abläufe im Unternehmen ganz oder teilweise von Software und zunehmend von KI erledigt werden – etwa Angebotserstellung, Terminabstimmung oder E-Mail-Bearbeitung. Mitarbeitende werden dadurch entlastet, Fehler werden seltener und Prozesse laufen schneller.

Was bedeutet Prozessautomatisierung?

Ein Prozess ist eine feste Folge von Arbeitsschritten mit Anfang und Ende: Eine Anfrage kommt herein, wird geprüft, beantwortet und im System abgelegt. Automatisiert ist dieser Ablauf, wenn Software die Schritte übernimmt, die heute jemand von Hand erledigt – Daten abtippen, zwischen Programmen kopieren, Erinnerungen schreiben, Dokumente umbenennen und ablegen. Der Mensch legt die Regeln fest, kümmert sich um Ausnahmen und gibt frei, wo Entscheidungen, Geld oder Kundenkontakt betroffen sind.

Wichtig ist die Abgrenzung zur Digitalisierung. Digitalisierung macht Informationen digital verfügbar, Automatisierung lässt sie anschließend ohne manuelles Zutun weiterlaufen. Ein eingescannter Lieferschein ist digitalisiert; automatisiert ist der Ablauf erst, wenn Positionen ausgelesen, mit der Bestellung abgeglichen und gebucht werden. Welche Abläufe in welcher Reihenfolge digitalisiert und automatisiert werden, hält ein Digitalisierungskonzept fest.

Innerhalb der Prozessautomatisierung gibt es drei Spielarten. Workflow-Automatisierung verbindet Programme über feste Wenn-dann-Regeln: Geht ein Formular ein, entsteht ein Kontakt im CRM und eine Bestätigungsmail. RPA (Robotic Process Automation) ahmt Klicks und Eingaben an der Bildschirmoberfläche nach und hilft dort, wo alte Programme keine Schnittstelle haben. KI-Automatisierung kommt dazu, sobald Eingaben unstrukturiert sind – frei formulierte E-Mails, PDFs mit wechselndem Layout, Fotos oder Sprachnachrichten. Übernimmt eine KI eine klar umrissene Aufgabe dauerhaft und eigenständig, spricht man vom digitalen Mitarbeiter.

Prozessautomatisierung ist kein Software-Kauf, sondern zuerst Organisationsarbeit. Wer einen ungeordneten Ablauf automatisiert, bekommt einen schnelleren ungeordneten Ablauf. Welche Prozesse sich lohnen, klärt eine KI-Potenzialanalyse; Ordnung und Priorisierung der Abläufe begleitet typischerweise ein Digitalisierungsberater oder KI-Berater.

Prozessautomatisierung kurz erklärt: die wichtigsten Punkte

  • Automatisiert werden Abläufe, die häufig vorkommen, festen Regeln folgen und heute viel Abtippen, Kopieren oder Nachfassen verursachen.
  • Erst kommt der Prozess, dann das Werkzeug: Ein Ablauf muss beschrieben und geordnet sein, bevor Software ihn übernehmen kann.
  • Feste Regeln und eindeutige Daten bewältigt klassische Workflow-Automatisierung; KI braucht es erst bei Freitext, Dokumenten und Sprache.
  • Der Mensch bleibt im Ablauf: Er bearbeitet Ausnahmen und gibt frei, was an Kunden, Lieferanten oder Behörden geht.
  • Der Nutzen lässt sich messen – an Minuten je Vorgang, Durchlaufzeit und Fehlerquote vor und nach der Umstellung.

Prozessautomatisierung in der Praxis

  • Rechnungseingang: Eingangsrechnungen kommen per E-Mail, werden ausgelesen, mit Bestellung und Lieferschein abgeglichen und zur Freigabe vorgelegt. Die Buchhaltung prüft nur noch Abweichungen, statt jede Rechnung abzutippen – mit der E-Rechnungspflicht ab 2027 wird dieser Schritt für viele Betriebe ohnehin fällig.
  • Terminabstimmung: Kunden wählen über einen Buchungslink einen freien Termin aus dem echten Kalender, erhalten automatisch Bestätigung und Erinnerung und werden um fehlende Unterlagen gebeten. Das E-Mail-Hin-und-Her entfällt, der Kalender bleibt aktuell.
  • Angebotsvorbereitung: Aus Anfrage, Aufmaß-Notizen und Fotos erstellt eine KI einen Angebotsentwurf mit Positionen aus dem eigenen Leistungsverzeichnis. Der Verantwortliche prüft Mengen und Preise und gibt frei; Tipparbeit und Suchen in alten Angeboten fallen weg.

Woran Sie einen automatisierbaren Prozess erkennen

  1. Er kommt regelmäßig vor – täglich oder wöchentlich, nicht nur zweimal im Jahr.
  2. Er folgt wiederkehrenden Regeln, die sich in wenigen Sätzen beschreiben lassen.
  3. Es werden Daten von einem Ort an einen anderen übertragen: aus E-Mails ins CRM, von Papier in die Buchhaltung, aus Notizen ins Angebot.
  4. Die benötigten Informationen liegen digital vor oder lassen sich mit vertretbarem Aufwand digital erfassen.
  5. Es ist klar, wer Ausnahmen bearbeitet und das Ergebnis freigibt.

Typische Fehler

  • Mit dem Tool beginnen: Wer zuerst Software auswählt und dann einen passenden Prozess sucht, automatisiert oft den falschen Ablauf.
  • Ohne Vorher-Zahl starten: Ohne Zeit- und Mengenangaben vom Ist-Zustand lässt sich der Nutzen später weder belegen noch steuern.
  • Alles auf einmal wollen: Ein Großprojekt über alle Abteilungen dauert lange und verliert Rückhalt. Verlässlicher ist ein einzelner Ablauf, der in wenigen Wochen produktiv läuft.
  • Das Team übergehen: Wer den Prozess täglich macht, kennt die Ausnahmen. Fehlt dieses Wissen in den Regeln, scheitert die Automatisierung im Alltag.

Mein Bezug

Prozessautomatisierung ist für mich kein Beratungsthema aus der Distanz. In meinen Unternehmen pxMEDIA und ONFYR arbeiten heute rund 40 digitale Mitarbeiter in festen Abläufen – von der Recherche über den Textentwurf bis zur Qualitätsprüfung, jeder mit klarer Übergabe und menschlicher Freigabe. Mit Kunden gehe ich denselben Weg: Prozessanalyse, Auswahl des ersten Ablaufs, Vorher-Zahl festhalten, umsetzen und im Alltag einführen. Oft beginnt das mit einem KI-Workshop, in dem das Team an einem halben Tag seine eigenen Anwendungsfälle findet.

Als BAFA-akkreditierter Berater achte ich darauf, Beratung und Umsetzung sauber zu trennen. Die Beratung – Prozessanalyse, Konzept, Roadmap – bezuschusst das BAFA für kleine und mittlere Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern mit 80 Prozent, bemessen an höchstens 3.500 Euro netto je Beratung; der Antrag muss vor Beratungsbeginn gestellt sein, die geltende Richtlinie läuft bis 31. Dezember 2026. Für die Umsetzung kommen Landesprogramme wie die KI-Förderung MV mit 50 Prozent und bis zu 50.000 Euro je Vorhaben infrage.

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Häufige Fragen zu Prozessautomatisierung

Was ist Prozessautomatisierung?

Prozessautomatisierung bedeutet, dass wiederkehrende, regelbasierte Abläufe ganz oder teilweise von Software erledigt werden, zunehmend unterstützt durch KI. Typische Beispiele sind Rechnungseingang, Terminabstimmung, Angebotsvorbereitung und das Vorsortieren von E-Mails. Der Mensch legt die Regeln fest und gibt frei, wo Entscheidungen oder Kundenkontakt betroffen sind.

Was ist der Unterschied zwischen Prozessautomatisierung und Digitalisierung?

Digitalisierung macht Informationen und Abläufe digital verfügbar, Prozessautomatisierung lässt sie anschließend ohne manuelles Zutun ablaufen. Ein eingescannter Lieferschein ist digitalisiert; automatisiert ist der Ablauf erst, wenn die Daten ausgelesen, geprüft und ohne Abtippen im richtigen System gebucht werden. Digitalisierung ist deshalb die Voraussetzung, Automatisierung der nächste Schritt.

Welche Prozesse eignen sich für die Automatisierung?

Am besten eignen sich Abläufe, die häufig vorkommen, nach wiederkehrenden Regeln funktionieren und heute viel Abtippen, Kopieren oder Nachfassen erfordern. Dazu gehören Rechnungseingang, Terminabstimmung, Anfragenbearbeitung, Angebotsvorbereitung, Erinnerungen und Dokumentenablage. Weniger geeignet sind seltene Einzelfälle und Aufgaben, bei denen jede Entscheidung Ermessen erfordert.

Braucht man für Prozessautomatisierung künstliche Intelligenz?

Nicht immer. Sind Eingaben und Regeln eindeutig, etwa bei Formularen oder festen Erinnerungen, reicht klassische Workflow-Automatisierung. KI wird nötig, sobald unstrukturierte Inhalte im Spiel sind: frei formulierte E-Mails, PDFs mit wechselndem Layout, Fotos oder Sprachnachrichten, die verstanden und eingeordnet werden müssen.

Wird Prozessautomatisierung gefördert?

Ja, Beratung und Umsetzung werden über getrennte Programme gefördert. Die Beratung, etwa Prozessanalyse und Konzept, bezuschusst das BAFA für kleine und mittlere Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern mit 80 Prozent auf höchstens 3.500 Euro netto je Beratung, Antrag vor Beratungsbeginn, nach geltender Richtlinie bis 31. Dezember 2026. Für die Umsetzung gibt es Landesprogramme wie die KI-Förderung MV mit 50 Prozent und bis zu 50.000 Euro je Vorhaben.